Einen aufgeschobenen Kaffee, bitte!
Frau Plum, die Kölner Piraten setzen sich für einen »Kölschen Soli« ein. Was ist das?
Die Idee stammt aus Neapel, wo es schon lange die Tradition gibt, dass man sich in einem Café einen Kaffee holt und einen zweiten mitbezahlt. Wenn dann jemand nicht viel Geld hat, kann er dort fragen, ob es für ihn einen sogenannten Caffè sospeso gibt, einen »aufgeschobenen Kaffee«.
Und wie soll das in Köln aussehen?
Wir möchten diese Grundidee erweitern, etwa auf Kinos, Kaufhäuser und die KVB. Dabei denken wir nicht nur an Obdachlose, sondern auch an Hartz-IV-Empfänger und andere sozial Schwache, die gerade so viel Geld haben, dass sie nicht auf der Straße leben und hungern müssen. Eine Lebensqualität ist das aber ganz und gar nicht. Gerade in Köln, das mit der Warmherzigkeit und Toleranz seiner Bewohner wirbt, wäre der Soli in unseren Augen gut umsetzbar.
Ist das nicht eine Initiative, von der vor allem die Cafés profitieren? Die Inhaber steigern ihr Image – und wenn die Gutscheine nicht eingelöst werden, auch noch den Umsatz.
Wenn die Geschäftsführer das Geld in die eigene Tasche stecken, verfehlt das natürlich den Grundgedanken des Teilens! Im Sinne der Idee wäre es, wenn man nach einer bestimmten Frist den nicht eingelösten Betrag beispielsweise einer gemeinnützigen Organisation spendet.
Wäre es nicht besser, Menschen in Not Geld zu geben und ihnen selbst die Entscheidung zu überlassen, welche Bedürfnisse sie sich damit erfüllen?
Als Geber sind wir oft restriktiv: Wenn wir schon was geben, dann soll es etwas Vernünftiges sein. Der Aspekt des Genusses wird dabei meist vernachlässigt. Deswegen sagen wir ja auch, dass der »Kölsche Soli« auf viele verschiedene Bereiche ausgeweitet werden sollte. Ich könnte mir zum Beispiel sehr gut vorstellen, dass man in der Spielzeugabteilung eines Kaufhauses einen Gutschein über zehn Euro bezahlt, den dann jemand einlösen kann, um seinem Kind etwas zu kaufen.
Mit Ihrer Idee nehmen Sie der Regierung auch ein wenig vom Druck, die Situation der Betroffenen durch politische Maßnahmen zu verbessern — ähnlich, wie es auch durch die Lebensmitteltafeln geschieht.
Es muss Hand in Hand gehen. Einerseits muss man den Menschen helfen, die sich jetzt und hier in einer Notsituation befinden. Auf der anderen Seite muss aber auch daran gearbeitet werden, dass die Situation sich insoweit ändert, dass solch eine Hilfe gar nicht mehr nötig ist. Das sehe ich auch als unsere Aufgabe: Dass wir solche Aktionen anregen, aber auch versuchen, strukturelle Lösungswege zu finden.