Foto: Manfred Wegener

Bau keine Scheiße mit Bier

Seit das Kartell aufgeflogen ist, stehen auch Kölsch-Brauer im Visier der Ermittlungen

 

Bei vielen deutschen Brauern wird künftig der Blutdruck steigen, wenn sie im Fernsehen das grüne Beck’s-Segel sehen. Denn Anheuser-Busch InBev, der brasilianisch-belgische Braukonzern hinter der Bremer Marke, hat vor dem Bundeskartellamt ausgepackt und ließ ein Kartell der größten deutschen Biermarken auffliegen. Die sogenannten Fernsehbiere — so heißen im Branchen-Jargon die aus der TV-Werbung bekannten Marken — hatten ihre Preise untereinander abgesprochen. Zu den Konzernen, die bereits überführt sind, gehören Bitburger, Krombacher, Veltins, Warsteiner sowie die Privatbrauerei Ernst Barre. Aber auch drei Kölsch-Brauereien stehen unter Verdacht: Sünner, Gaffel und Früh. 

 

Bei den Betroffenen übt man sich in Abwehr. Gaffel lehnte es ab, eine Anfrage der StadtRevue zu beantworten. Sünner teilt auf seiner Homepage mit, man gehöre »entgegen anderslautender Presseberichte« nicht zu den Brauereien, gegen die das Bundeskartellamt ermitteln würde. Die Rheinische Post hatte Mitte Januar Sünner-Chefin Astrid Schmitz-Dumont zitiert, die bestätigte, dass die Brauerei einen Brief vom Bundeskartellamt erhalten habe. Gleichzeitig stritt sie jedoch Ermittlungen gegen Sünner ab. Lediglich bei Früh räumt man ein, dass gegen das Unternehmen ermittelt wird.  »Wir haben vom Bundeskartellamt ein Anschuldigungsschreiben bekommen«, sagt Früh-Marketingchef Dirk Heisterkamp. »Damit ist klar, das gegen uns ermittelt wird.« Allerdings weist auch Heisterkamp den Vorwurf zurück, sich am Bierkartell beteiligt zu haben. »Die Vorstellung, dass die großen Brauereikonzerne sich mit einem Familienbetrieb wie Früh bei den Preisen absprechen, ist absoluter Unsinn. Wir haben uns nicht am Bierkartell beteiligt.« Der Vorwurf des Kartellamtes, sagt Heisterkamp, wäre die Bildung eines bundesweiten Kartells gewesen. »Warum sollten sich regionale Marken an so etwas beteiligen?« Es sei für die Großbrauereien viel zu kompliziert und  riskant, bei Preisabsprachen auf die vielen mittelständischen Brauereien in Deutschland zuzugehen. Sollte das Bundeskartellamt gegen Früh ein Bußgeld verhängen, werde das Unternehmen dagegen klagen, kündigt Heisterkamp an.

 

Die fünf bislang überführten Konzerne mussten zusammen bloß 106,5 Millionen Euro Kartellstrafe zahlen. Die Summe fiel deshalb so niedrig aus, weil sich die betroffenen Unternehmen kooperativ zeigten. Und die Beck’s-Besitzer Anheuser-Busch InBev fallen unter die Kronzeugen-Regelung und gehen somit straffrei aus. Für die jetzt betroffenen Firmen könnte es um mehr gehen. »Die Höhe der Strafe« sagt Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, »hängt davon ab, wie groß der Umsatz war, der mit dem Produkt erzielt wurde, dessen Preis abgesprochen  war. Die Höchstgrenze liegt bei zehn Prozent des Gesamtumsatzes des Unternehmens.« Kartellamtspräsident Mundt hält hohe Strafen dennoch für gerechtfertigt: »Auch wenn unmittelbar Betroffene der Handel und die Gastronomie waren, hatten die Absprachen Folgen für den Verbraucher: Die Preiserhöhungen wurden durchgereicht.« Rund 430 Millionen Euro jährlich habe das Kartell die Biertrinker gekostet, schätzt Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg. Dabei sollte der Biermarkt die Kartellbildung eigentlich erschweren. Schließlich haben Biertrinker die Auswahl zwischen mehreren Anbietern — vom Dosenbier des Großkonzerns bis zur lokalen micro brewery. »Es gab immer Alternativen zu den Angeboten der am Kartell beteiligten Unternehmen«, erklärt Andreas Mundt. »Aber nicht jeder Kunde wechselt bei steigenden Preisen seine Marke, zumal die abgesprochenen Erhöhungen zeitgleich bei mehreren bekannten Biermarken durchgeführt wurden.«

 

Das Image der Brauereien ist dennoch beschädigt. »Natürlich ist so eine Berichterstattung nicht ungefährlich«, gibt Dirk Heisterkamp von Früh zu. »Es besteht die Gefahr, dass Markenbilder negativ beeinflusst werden.« 

 

Viele Biertrinker hängen an ihren Marken. Regionale Brauereien bieten als Teil der lokalen Folklore zudem die Möglichkeit zur Identifikation. Preisabsprachen zu Lasten der Trinker sind nicht gut für den Ruf. Diese Rechnung  haben die Brauereien ohne den Wirt und die Zecher gemacht.