»Die spinnen, die Römer!«
Wenn behauptet wird, Köln kriege kulturpolitisch nix auf die Reihe, dann ist das nicht immer zutreffend: Gute Ideen und Momente der Klarsicht münden zuweilen in tatkräftigem Handeln. So wie 2009, als der hochkarätig besetzte neue Kunstbeirat der Stadt Köln seine Arbeit aufnahm, um das Thema Kunst im öffentlichen Raum voranzubringen. Das Problem ist hier, dass man den Erfolg dann grundlos und fahrlässig wieder verspielt.
»Ohne Budget ist der Kunstbeirat nicht handlungsfähig«, so lautet die Kernaussage des Papiers, in dem der Kunstbeirat Ende April seine Arbeit der vergangenen zwei Ratsperioden resümierte. Eine klare Ansage, nachdem das Budget für Kunst im öffentlichen Raum für 2014 komplett gestrichen wurde. Sechs von acht stimmberechtigten Mitgliedern scheiden aus — und wenn die Politik nicht reagiert, dürfte es schwer werden, Nachfolger zu finden. Zur Erinnerung: Der Kunstbeirat hat die Aufgabe, die Politik zu beraten und initiierte das erfolgreiche, überregional als modellhaft wahrgenommene »StadtLabor«. In dem Gremium arbeiten — ehrenamtlich — bekannte Künstler wie Marcel Odenbach, Andreas Kaiser (Vorsitzender), die Kunsthistorikerin Barbara Hess oder Anja Dorn, bis 2011 Direktorin des Kölnischen Kunstvereins.
Es geht aber mitnichten nur um Geld. Der Beirat sah seine Arbeit von Teilen der Politik und Verwaltung behindert, weil Anliegen und Anträge ignoriert, vertagt, ausgebremst wurden. Das betrifft das jahrelang geplante »Archiv für ungenutzte Kunst« auf dem Roncalli-Platz oder den jüngsten Streit um den »Obelisk« der Düsseldorfer Künstlerin und Rektorin der Kunstakademie Rita McBride. »Hier wurde ein Wettbewerb der Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Gremien der Stadt vorbildlich durchgeführt und entschieden«, urteilte der Beirat, trotzdem verweigerte der Rat die Annahme der Schenkung.
Will man einen Beirat oder nicht? Welchen Sinn hat ein Fachgremium, wenn man dessen Sachverstand nicht respektiert? Diese Fragen liegen auf dem Tisch. Der Kunstbeirat appelliert an die neu gewählten Politiker, sie zu beantworten.