Schmuckstück mit Patina — Park-Café im Rheinpark, Foto: Manfred Wegener

Verrottende Alleinstellungsmerkmale

Eine Initiative versucht, das Park-Café im Rheinpark zu retten

Man schaut und wundert sich. Und wer etwas Sinn für Architektur und Baukultur besitzt, kann sich auch ärgern. Im Rheinpark in Deutz, einer der schönsten Kölner Parkanlagen, verrottet seit Jahrzehnten ein architektonisches Kleinod  — und die Stadt hat jahrzehntelang nichts dagegen unternommen. Es ist das Park-Café, das hier 1957 anlässlich der Bundesgartenschau eröffnet worden ist. Die Pläne für den dreistöckigen Bau stammen von Rambald von Steinbüchel-Rheinwall (1902-1990), einem Architekten, geboren in Graz, der vor allem in Berlin und Frankfurt am Main arbeitete. Das Park-Café ist zugleich sein ungewöhnlichstes und bestes Werk. 

 

Das meint jedenfalls Oliver Grebe, der auf das dreistöckige Gebäude mit den geschwungenen Formen beim Tag des offenen Denkmals im vergangenen Jahr aufmerksam geworden war. »Eine Perle, die über Jahrzehnte vernachlässigt worden ist«, sagt Grebe, selbst Architekt. Er startete die Initiative »Perle sucht Dame«, um das Bauwerk ins öffentliche Bewusstsein zu rufen — und zu retten. Im Internet sammelte er per Crowdfunding 2700 Euro. Damit wollte er zunächst eine Ausstellung zur deutschen Nachkriegsarchitektur organisieren — eben im Park-Café, selbst ein herausragendes Beispiel für diese Epoche.

 

Die Spenden waren schnell beisammen. Unterstützung kam vom Haus der Architektur Köln, aber auch aus der Wirtschaft. Die Stadt Köln teilte Grebe jedoch mit, dass die Ausstellung nicht in dem maroden Gebäude stattfinden könne. »Daraufhin habe ich die Foto-Tafeln im Mai einfach vor dem Park-Café aufgestellt«, sagt Grebe. Die Fotos stammen von Hans Engels, der einen Fotoband über deutsche Nachkriegsarchitektur veröffenlicht hat. Eine Notlösung: »Ich hätte mir schon gewünscht, dass die Stadt mehr Kooperationsbereitschaft gezeigt hätte«, sagt Grebe, »auch, um einen anderen passenden Ort für die Ausstellung zu finden.«

 

Für seine Initiative hat Grebe bereits viel Zuspruch erfahren. »Öffentlichkeit und Fachwelt sind sich einig, dass das hier ein vernachlässigtes architektonisches Schmuckstück ist«, sagt er. Der Bund Deutscher Architekten schrieb Mitte April einen Offenen Brief an Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD). Darin heißt es, die Architektur der 50er Jahre sei »für Köln ein Alleinstellungsmerkmal, das wir unbedingt gut pflegen und erhalten sollten«. 

 

Bei aller Kritik: Untätig war die Stadt nicht. Zwei Millionen Euro hat  sie Anfang des Jahres aus dem städtischen Haushalt bereitgestellt, um das Gebäude wieder zu sanieren und zu beleben. Geplant ist eine erneute gastronomische Nutzung. Gesucht wird ein Investor, der das städtische »Win-Win-Programm« mitträgt, ein Konzept zur Qualifizierung von Erwerbslosen und zur Beschäftigungsförderung. Dem Vernehmen nach soll es bereits Interessenten geben. 

 

Grebe aber ist unsicher, was er davon halten soll. Ihm ist es wichtig, dass das Gebäude auch in seiner baukulturellen Bedeutung betrachtet wird — und in seiner ursprünglichen Form erhalten bleibt. Grebe kämpft nun weiter darum, diese Bedeutung auch der Öffentlichkeit zu vermitteln. Das scheint einfacher zu sein, als Politik und Verwaltung zu begeistern. 

 

Er habe zahlreiche Vertreter aus Politik und Verwaltung zu einer Veranstaltung im Haus der Architektur eingeladen, wo er Ende Mai seine Ideen vorstellte. Doch von denen sei kaum jemand gekommen. »Die haben noch nicht mal abgesagt«, so Grebe. »Dabei wäre das Park-Café doch ein gutes Beispiel, um zu zeigen, wie man im Kleinen ganz konkret mit Engagement etwas bewegen kann, etwa auch mit einer Zwischennutzung«, so Grebe. »So etwas kann dann eigentlich viel schneller zum Erfolg führen, als wenn man immer nur große übergeordnete Pläne verfolgt.«

 

Einen Ausstellungsort, um für das Park-Café und die Architektur der 50er Jahre zu werben, hat Grebe mittlerweile auf eigene Faust gefunden. Am 3. Juli startet er die Fotoausstellung mit Unterstützung der Stiftung Stadtgedächtnis an der Großen Budengasse.