Großer Bahnhof in Ehrenfeld
Wenn auf irgendwen das Klischee des »urbanen Pioniers« zutrifft, dann auf die vier Macher des Club Bahnhof Ehrenfeld. 2010 eröffneten Sie den Club in einer Brache - den ehemaligen Bahnbögen an der Bartholomäus-Schlink-Straße, oder für Ortsunkundige: zwischen Gürtel und Bahnsteigkante. »Wir sind vier Freunde, die sich lange kennen«, erzählt Gabriel Riquelme. »Wir wollten anders arbeiten: mit Freiräumen, aber wirtschaftlich und selbstfinanziert.« Von Anfang an setzten die Vier auf ein gemischtes Programm: HipHop und Soul bei den Konzerten, Beats zwischen breakigen 90 BPM und geraden 135 BPM auf den Parties. Dazu kam ein ambitioniertes Rahmenprogramm mit Lesungen und Diskussion, z.B. während der WM im letzten Monat. Und wenn die Kasse nicht stimmte, musste das Geld halt mit einer 90er-Party verdient werden, damit ein Tribute-Konzert mit Workshop für Gil Scott-Heron finanziell möglich war.
Die Arbeitsteilung war dabei klar: Im ersten Bogen gibt es Bier und Barsounds, im zweiten Bier, einen Dancefloor und Konzerte. Jetzt soll Nachwuchs ins Haus - ein dritter Bogen für kleinere Konzerte und einen zweiten Dancefloor. »Was mich musikalisch interessiert, findet selten mehr als 250 Zuschauer«, meint Riquelme. »Das ist im Moment für uns nicht wirtschaftlich.«
Finanziert werden soll der Zuwachs per Crowdfunding - zumindest teilweise. Die Grundfinanzierung, ein »sechsstelliger Betrag«, haben die Vier aus anderen Quellen bestritten. Die 20.000 Euro aus dem Crowdfunding sollen lediglich ein »On-Top-Moment« sein: »Mit 20.000 Euro extra kannst du an den wesentlichen Stellschrauben nochmal einiges drehen.« Riquelme schwebt eine bessere Soundanlage vor, auch die Deko steht auf der Liste. Normalerweise lassen sich Clubbesitzer für so ein Projekt von Brauereien oder Softdrink-Herstellern sponsern. Dafür platzieren diese ihr Logo auf der Vorderseite der Bühne oder auf der Theke. »Wir würden gerne das Geld aus dem Crowdfunding einem Künstler in die Hand drücken, damit der die Theke oder die Bühne dekoriert.«
Bis es soweit ist, steht jedoch noch ein wenig Spendenwerbung an. Drei Wochen vor Ende ihrer Crowdfunding-Kampagne am 4. August, waren die vier Betreiber des Club Bahnhof Ehrenfeld noch gut 9.000 Euro von ihrem Ziel entfernt. Riquelme überrascht das nicht: »Bei Crowdfunding im IT-Bereich geht es immer relativ schnell los. Da sind die Leute sehr affin.« In ihrem Umfeld sei das Projekt aber auch ein wenig skeptisch beäugt worden. »Unser näheres Umfeld engagiert sich erst jetzt. Die sind sowas nicht gewohnt.«
Also müssen die vier ihre Crowdfunding-Kampagne weiter anschieben - mit Blogposts, Videos und neuen Prämien für ihre Unterstützer: »Wenn das alles neben dem Tagesgeschäft läuft und nebenbei auch noch WM ist - das ist schon eine Ansage.« Die Mühe scheint sich trotzdem zu lohnen. Riquelme erzählt, wie das Crowdfunding dazu beigetragen hat, die Ideen hinter dem CBE für sie selbst und für ihr Publikum deutlicher zu machen: »Wir wollen das mit den Leuten machen, die den Laden mitbespielen: den Künstlern und unseren Gästen. Denen kann man dann sagen: ›Das ist dank euch entstanden!‹«