Köln kann auch schneller
Von seiner Idee erzählte der Oberbürgermeister beim Herrenessen. Es war im März vergangenen Jahres, und OB Jürgen Roters (SPD) war beim Verein der Freunde des Kölnischen Stadtmuseums zu Gast. Der Roncalliplatz südlich des Doms, so Roters, könne umgestaltet werden, die Verwaltung prüfe bereits einen Neubau entlang der Straße Am Hof. Drei Institutionen könnten dort untergebracht werden, darunter auch das Kölnische Stadtmuseum. Im Stadtmuseum an derZeughausstraße hörte man es gern, vor allem, seit der benötigte Anbau gescheitert ist. Ein Stifter-Ehepaar zeigte sich 2009 zwar spendabel, wollte aber gleich seinen Hausarchitekten beauftragen und diktierte weitere Bedingungen. Das empörte zu Recht viele, die sich für transparente Verfahren und die Kölner Baukultur einsetzen. Die Politik lehnte schließlich ab.
Der Umzug in den neuen Super-Bau am Dom würde nun die Raumprobleme des Kölnischen Stadtmuseums lösen und die Bestände ließen sich besser präsentieren — trotz des Engagements von Museumsdirektor Mario Kramp hängt dem Haus der Ruf an, museumspädagogisch keinesfalls zeitgemäß zu sein.
Auch das Kurienhaus der Hohen Domkirche am Roncalliplatz ist marode und würde in den Neubau ziehen. Hausherr ist Dompropst Norbert Feldhoff, und der will den Abriss des bereits 1961 als Provisorium gebauten Hauses. Gleiches gilt für das hinter dem Kurienhaus liegende Verwaltungsgebäude des Römisch-Germanischen Museums, zu dem es seit 2011 einen Ratsbeschluss zur Sanierung gibt.
Wenn also Stadtmuseum, Verwaltung des Römisch-Germanischen Museums und Kurienhaus gemeinsam untergebracht werden können, werden sogleich die berüchtigten »Synergieeffekte« beschworen. Worin die genau bestehen, außer darin, dass hier Kultur irgendwie verdichtet wird und man sich ein Foyer oder Museumscafé teilen kann, gilt es aber nachzuweisen.
Wie das alles in einen Neubau untergebracht werden kann, sollten die 13 internationalen Architektenbüros in der »Planungswerkstatt« zeigen, die Ende vergangenen Jahres veranstaltet wurde. Da gab es auch Vorschläge, den Roncalliplatz am südlichen Ende mit einem neuen, langgestreckten Gebäude fast vollständig abzuriegeln. Der Neubau könnte dadurch insgesamt weniger hoch werden, würde so aber die Sicht von der Straße Unter Goldschmied auf den Dom zerstören — woran sich viele Kölner wohl nur ungern gewöhnen würden.
Die Jury der Planungswerkstatt favorisiert solche Pläne auch nicht. Die Vertreter der Museen und des Kurienhauses sowie OB Roters, Bau- und Planungsdezernent Franz-Josef Höing und Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach einigten sich vielmehr darauf, an der Südseite des Platzes »den Raum offenzuhalten und nicht zwingend auf eine Schließung hinzuarbeiten.« Allerdings könnte dort ein einzelnes Bauwerk errichtet werden, so die Jury. Die Vorschläge eines historisierenden Rundbaus gegenüber dem Dom, wie es das Kölner Büro Böhm anregte, wirken jedoch kurios. Ebenso ein Vorschlag, das Römisch-Germanische Museum abzureißen und unter den Roncalliplatz zu verlegen, um Museum Ludwig und Philharmonie besser einzubinden.
Aber welche Funktion besitzt eigentlich der Roncalliplatz? Bislang ist er bloß eine große Transit-Fläche für Besucherströme oder er wird kommerziell für Weihnachtsmärkte oder sonstiges Remmidemmi genutzt. Würde jene neue »Historische Mitte« tatsächlich zum Herzen der Stadt werden, braucht es Ideen, wie die Besucherströme zwischen Hauptbahnhof, den Museen, Rheinufer und der Shopping-Meile Hohe Straße gelenkt werden können. Sonst wird sich dem Fußgänger von all den Plänen, die hier aus der Vogelperspektive entwickelt werden, kaum etwas vermitteln.
Die Stadtverwaltung will noch vor der Sommerpause einen Beschluss zur Abstimmung im Rat der Stadt vorlegen. Die »Neue Historische Mitte« könne Ende 2019 bereits fertiggestellt sein, ist zu hören. Diejenigen, die nicht in der Jury saßen, dürfte erstaunen, wie rasch im Zentrum der Stadt, fußläufig vom Rathaus, ein Großprojekt umgesetzt werden kann. In den Quartieren fern jener »Historischen Mitte« werden die Menschen hingegen von der Stadtspitze oft vertröstet. In solchen Fällen appelliert man an ihre Geduld: Es ginge halt nicht schneller.