Foto: Manfred Wegner

Vom Erfolg in die Findungsphase

Das antirassistische Bündnis macht auch nach dem Ende von Kögida weiter

 

Zum Abschluss griffen die Pegida-Marschierer im Rheinland noch mal tief in die Nazi-Kiste. Als Dügida trafen sie sich Anfang Februar in Düsseldorf zu einem »Abendspaziergang«, bei dem auch das Horst-Wessel-Lied angestimmt wurde. Gegen einen Teilnehmer wurde wegen dessen Hitlergruß ein Strafverfahren eingeleitet. Organisatorin Melanie Dittmer sagte am nächsten Tag einen für Rosenmontag geplanten »Spaziergang« per Videobotschaft auf Facebook ab, rief aber zugleich dazu auf, der Kanzlei von Gülen Çelebi, die jede Woche von ihrem Fenster aus gegen die Dügida-Demo protestiert, »einen Besuch abzustatten«.

 

Zu diesem Zeitpunkt hatte die Kölner Abspaltung Kögida schon seit zehn Tagen aufgegeben. Wegen eines Schnupfens hatte Dittmer ihre Demo Ende Januar abgesagt und sich danach auf Düsseldorf konzentriert. Statt »Pro Köln«-Anhängern und Hooligans fanden sich 500 Menschen vor einem Soundsystem zusammen, um gegen Rassismus zu demonstrieren. Ganz nazifrei blieb der Tag aber nicht: Auf dem Eigelstein wurden drei französische Touristen von einer Gruppe Neonazis angepöbelt. 

 

Dass sich das Organisations-team um Melanie Dittmer nun auf die Landeshauptstadt konzentriert, hat mehrere Gründe. Zum einen ist dort die Zahl der Gegendemonstranten geringer, zum anderen ist Düsseldorf schneller aus dem Ruhrgebiet zu erreichen. Die Dortmunder Mitglieder von »Die Rechte«, die Anfang Februar mit Fackeln vor einem Flüchtlingsheim aufmarschierten, haben schon mehrmals an Dügida-Demos teilgenommen. In Köln dagegen waren bei der letzten Kögida-Demonstration Mitte Januar erste Zerfallserscheinungen zu beobachten: Während der Rede von Dominik Roeseler von »Pro NRW«, der die »Hooligans gegen Salafisten«-Demo im Oktober angemeldet hatte, verabschiedeten sich die rund fünfzig Hooligans in eine Kneipe am Hauptbahnhof. Sie wurden schließlich von der Polizei in kleinen Gruppen zu den Gleisen eskortiert.

 

Mit dem Ende der Kögida-Demos haben die antirassistischen Kölner Bündnisse ihre Arbeit nicht eingestellt. »Kein Veedel für Rassismus« fuhr im Februar zur Anti-Dügida-Demo, das Bündnis »Köln stellt sich quer« (KSSQ) hat viele neue Mitglieder gewonnen. »Wir sind derzeit in einer Findungsphase«, sagt Mit-Organisatorin -Brigitta von Bülow von den Grünen. Man wolle eine gemeinsame Position der neuen und alten Teilnehmer in einem Grundsatz formulieren. Als nächstes ist eine Aktion am 8. Mai geplant, mit der man »eine Brücke aus der Vergangenheit in die Zukunft schlagen« wolle. Ein weiterer Schwerpunkt soll die Aufklärungsarbeit gegen anti-muslimischen Rassismus sein. »Nur weil die Kögida klein beigegeben hat, heißt das ja nicht, dass sie weg sind«, sagt von Bülow.