Krempel hinterm Haus
Man muss das Rad ja nicht immer neu erfinden. Vor allem nicht, wenn es um das Trödeln geht. Denn bekanntlich wird gerade dort die Patina geschätzt, dieser Eindruck, von unzähligen Gebrauchsspuren schon etwas abgegriffen zu sein. Ganz ähnlich verhält es sich mit den Hofflohmärkten, die in diesen Sommermonaten erstmals in verschiedenen Kölner Vierteln stattfinden. Auch sie haben eine Geschichte und die begann vor zehn Jahren im Münchener Stadtteil Schwabing.
Damals organisierte René Götz, Gründer und Initiator des Lifestyle-Guide Stadtfavoriten, zusammen mit einer kleinen nachbarschaftlichen Initiative den ersten Hofflohmarkt. Ihm und seinen Mitstreitern ging es dabei um mehr als das Trödeln, Feilschen und Schnäppchen machen. Sie wollten der urbanen Anonymität beim Spaziergang durch die sonst verschlossenen Hinterhöfe und Gärten etwas entgegensetzen: die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen, sich auszutauschen, zu vernetzen.
Heute, rund ein Jahrzehnt später, gibt es freigewerbliche Hofflohmärkte auch in Nürnberg, Frankfurt, Berlin — und Köln. Für René Götz zählt dabei vor allem, die organisatorischen Rahmenbedingungen im Vorfeld der Veranstaltungen zu stellen: »Am Tag selbst entscheidet die Nachbarschaft, was sie daraus machen.« Auf der Internetseite der Hofflohmärkte können die Anwohner ihre Gärten und Höfe als Verkaufsstandorte anmelden und werden — gegen eine Teilnahmegebühr von 15 Euro — mit einem Punkt in der Stadtteilkarte markiert. Dabei gilt: Mehr Punkte in einer Straße locken auch mehr Besucher.
Den Anfang wird am 6. Juni der Kölner Stadtteil Nippes machen, am 20. Juni geht es im Agnesviertel und im August voraussichtlich in Ehrenfeld und im Belgischen Viertel weiter. Gentrifizierte Straßenzüge sind fruchtbarer Boden für derlei Unterfangen, behaupten manche, René Götz hingegen schlägt eine andere Perspektive vor: »Bei den Hofflohmärkten geht es nicht darum, wer den schönsten Hof hat und die hippsten Sachen verkauft. Dieser Tag kann auch eine Möglichkeit sein, die eigene Hausgemeinschaft zu stärken und sich zukünftig gemeinsam gegen Sanierungspläne und Mieterhöhungen zu stellen.«
»Unser Haus«-Romantik hin oder her, früher — als alles noch besser war — brauchte es kein Stadtteilmarketing-Projekt wie die Münchener Stadtfavoriten, um einen Flohmarkt im Garten zu organisieren. Doch heute, so René Götz, »backt eben niemand mehr umsonst einen Kuchen für das ganze Haus« und so wird seine Idee der Hofflohmärkte auch von den Kölner Anwohnern begeistert aufgenommen. Bereits vierzig Höfe haben sich zum Termin in Nippes angemeldet. Erfahrungsgemäß, so der Initiator, werden in den Tagen vor dem Flohmarkt noch einige dazukommen. Bleibt also die Hoffnung, dass das ein oder andere Kuchenstück doch noch kostenlos weitergereicht wird.
Termine: 6.6. Nippes, 20.6. Agnesviertel