Von musealer Schwere
Man kann nicht behaupten, dass die Welt auf eine weitere Adaption von Shakespeares Stück um den schottischen Königsmörder gewartet hat. Die Zahl der bisherigen Umsetzungen ist Legion, mit Orson Welles, Roman Polanski und Akira Kurosawa, der den Stoff in »Das Schloss im Spinnwebwald« ins feudale Japan verlegte, haben die bedeutendsten Filmemacher ihrer jeweiligen Generation eigene Versionen abgeliefert. Eine ziemlich illustre Gesellschaft also, in die sich der noch fast unbekannte australische Regisseur Justin Kurzel begibt, der 2011 mit der harten Serienkiller-Sozialstudie »Die Morde von Snowtown« auf sich aufmerksam gemacht hatte.
Auch Kurzel malt das frühe Mittelalter vorzugsweise in naturalistisch-erdigen Farben aus, permanenter Nebel hüllt die Szenerie ins Zwielicht. In den ersten Minuten, in denen ein Säugling zu Grabe getragen wird und eine grimmige Schlacht in Zeitlupe entbrennt, möchte man diese neue Version schon unter dem Schlagwort »Shakespeare für die ›Game of Thrones‹-Generation« abspeichern. Doch dieser Slogan greift zu kurz, denn Kurzels visueller Gestaltungswille geht über »300«-Reminiszenzen hinaus. Jede einzelne Einstellung ist durchkomponiert und gerät zum düsteren Gemälde.
Dem visuellen Einfallsreichtum steht ein reduzierter Plot gegenüber, der einige Handlungsstränge von Shakespeares Stück fallen lässt und dafür durch neue, oft wortlose Szenen ergänzt wird. Gerade das Begräbnis des Neugeborenen ist eine interessante Abweichung, denn es thematisiert die Kinderlosigkeit der Macbeths, die die Motivation des verräterischen Paares in neuem Licht erscheinen lässt.
Durch die Beschränkung der Handlung auf die wichtigsten Elemente gibt Kurzel seinen Schauspielern ausgiebig Raum, mit dem Originaltext zu arbeiten, allen voran Michael Fassbender, der Macbeth als müden Krieger darstellt, dem der posttraumatische Stress die Sinne vernebelt. Ein wenig blasser bleibt Marion Cotillard als Lady Macbeth, der es dennoch gelingt, ihrer Figur eine unirdische Präsenz zu verleihen.
Was man dem Film vorwerfen kann, ist die geringe Dynamik. Die ohnehin nicht gerade vor Frohsinn sprühende Geschichte wirkt regelrecht niederdrückend, und trotz der zeitgemäßen Optik haben die Bilder eine fast museale Schwere.