Beweispflicht für Frauen
Ein Technischer Betriebsleiter soll es richten. Nachdem die Sanierung von Oper und Schauspielhaus vor die Wand gefahren ist, musste jemand her, der Verantwortung übernimmt. Interimistisch hatte sich Oberbürgermeisterin Henriette Reker in die Bresche geworfen. Jetzt soll es ein — den Intendanten gleichgestellter — Betriebsleiter richten. Dessen Aufgabengebiet umfasst allein die Sanierung. Warum erst jetzt? Warum überhaupt? Egal.
Kaum hatte Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach einen Kandidaten aus dem Hut gezaubert und angepriesen, hagelte es Kritik: Nicht nur war der Mann in früheren Jahren mit einer Firma in die Insolvenz gegangen und hatte Geschäftspartnern kräftig auf die Füße getreten. Sein Vertrag mit der Stadt sah zudem vor, dass er von einem Kleinunternehmen an die Bühnen nur ausgeliehen würde, aber über umfassende »Entscheidungskompetenz« verfügen solle. Die Politik fegte den Vertrag vom Tisch und der Kandidat machte einen Rückzieher.
Doch damit wollten es Ralph Elster und Ulrich Wackerhagen, die kulturpolitischen Sprecher von CDU und FDP, nicht bewenden lassen. Sie forderten die Ablösung der Kulturdezernentin, da sie »für diese Position nicht geeignet« sei. Das allerdings hat Methode. Die Zielscheiben von CDU und FDP im Kulturbereich sind derzeit ausschließlich Frauen. Neben der Kulturdezernentin soll auch Opernintendantin Birgit Meyer gehen. Und wenn als Kollateralschaden Kulturamtsleiterin Barbara Förster fiele, wären die sogenannten bürgerlichen Parteien auch nicht unglücklich. Bei Meyer wurden zuletzt die Verhandlungen über ihren Vertrag ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt. Man kann sicher sein, dass dies bei den Herren Jürgen Fenske (KVB) oder Dieter Steinkamp (Rheinenergie) nicht passiert wäre. Eine fünfjährige Verlängerung von Meyers Vertrag lehnten CDU und FDP mit der Forderung ab, die Opernintendantin müsse sich erst »beweisen«. Dass Frauen »sich beweisen« müssen, ist ein Topos aus dem frauenfeindlichen Repertoire. Ralph Elster und Ulrich Wackerhagen ist zwar keine Frauenfeindlichkeit zu unterstellen — aber das Spiel mit einer populistischen misogynen Rhetorik schon.
Bei Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach liegt der Fall anders. Ihre von CDU und FDP geforderte Abberufung setzt laut NRW-Gemeindeordnung eine Zweidrittel-Mehrheit im Rat voraus. Ohne die SPD dürfte das nicht zu machen sein. Wenn aber Laugwitz-Aulbach drei Jahre nach Dienstantritt als »für diese Position nicht geeignet« (Ulrich Wackerhagen) bezeichnet wird, muss die Frage erlaubt sein, wer sie eigentlich eingestellt hat. Die Antwort: der Rat der Stadt Köln. Die Politik will also jetzt die Kulturdezernentin abservieren, der sie bei ihrer Wahl vor drei Jahren noch die nötige Qualifikation bescheinigt hat. Da hilft nur eins: Köln sollte eine dauerhafte »Beweispflicht« für Amtsleiterinnen einführen, damit diese femininen Täuschungsmanöver endlich ein Ende haben.