Unser Mann fürs Grobe
Bernd Streitberger hat einen neuen Job. Als Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft »Moderne Stadt« hätte er den von ihm ungeliebten Umbau des Deutzer Hafens managen müssen. Jetzt wurde der frühere Baudezernent zum Technischen Betriebsleiter der Bühnen Köln berufen, verantwortlich für Planung, Steuerung und Kontrolle der Sanierung. Also der neue Mann fürs Grobe, der den Bau-Firmen in den Hintern treten soll. Der Vertrag läuft bis Ende 2019, ein Hinweis auf das Datum der Wiedereröffnung.
Dass der CDU-nahe Streitberger als Hoffnungsträger ausgerufen wird, beruht auf seiner Kenntnis städtischer Verwaltungsabläufe. Das soll Reibungsverluste zwischen Kultur- und Baudezernat minimieren. Ob er der richtige ist, ist trotzdem zweifelhaft. In seine Zeit als Baudezernent fielen nicht nur der Archiv-Einsturz oder die missglückte Bebauung des Waidmarkts. Mit seinen Ideen zur Umgestaltung des Breslauer Platzes ist er gescheitert, und mit den ersten Plänen für das Helios-Gelände in Ehrenfeld machte er keine gute Figur. Rheinauhafen und die spätere Bürgerbeteiligung in Ehrenfeld stehen auf der Habenseite. Doch eine Verwaltung zu leiten ist etwas anderes, als eine Baustelle zu koordinieren. Stemmt Streitberger die Aufgabe nicht, hat die Politik zumindest einen Schuldigen.
Damit Streitbergers Dienstantritt nicht zum Fiasko wird, hat der Rat das Sanierungs-Budget erhöht. Zu den 287,8 Millionen Euro, die bereits ausgegeben sind, gibt es einen ersten Zuschlag von 60 Millionen Euro. Die SPD konnte sich Mitte März im Rat mit ihrer Forderung nach einem (vorübergehenden) Baustopp nicht durchsetzen. Ansonsten wurden Maßnahmen beschlossen, die sich in Begriffen verdichten wie striktes Controlling, umgehende Information, Forderungsmanagement — es ist die bekannte Sicherheits-Lyrik, die Vertrauen herstellen soll.
Wenn dann doch nichts mehr geht, könnte die Politik auf die Rechenkünste der Verwaltung zurückzugreifen: Großprojekte in Köln verteuern sich laut einer Verwaltungsmitteilung durchschnittlich um nur 6,5 Prozent. Das wäre rekordverdächtig. Bei öffentlichen Großprojekten gelten Preissteigerungen von 20 Prozent als normal. Wer sich die Rechenbeispiele ansieht, macht überraschende Feststellungen. Der noch gar nicht realisierte Neubau des Historischen Archivs hat sich um 7,5 Millionen Euro verbilligt: Gemeint ist die geplante Verkleinerung des Baus. Keinerlei Minus gibt es auch bei der 3. Baustufe der Nord-Süd-U-Bahn, 64 Millionen Euro waren für 2015 von der Stadt veranschlagt, 64 Millionen hat es gekostet. Archiv-Einsturz? Bauverzögerung? Lappalien. Beim Kalkberg werden die Setzungsschäden einfach herausgerechnet. So macht öffentliches Bauen Spaß! Die Kölner Verwaltung sollte sich bundesweit als Bauherrin bewerben, so billig sind Großprojekte nie wieder zu haben.