Million Dollar Baby

Als eine ihrer ersten Handlungen macht die schwarz-grüne Koalition die Kinderbetreuung in Köln noch teurer

 

»Eltern sind gerne bereit, für eine verlässliche und gute Bildung ihrer Kinder zu zahlen«, sagte Kirsten Jahn von den Grünen auf der letzten Ratssitzung. Ihre Fraktion hatte gemeinsam mit CDU, Deine Freunde und Freien Wählern durchgesetzt, dass viele Eltern künftig deutlich mehr für die Kita-Betreuung zahlen müssen. Bisher waren die letzten 18 Monate vor der Einschulung beitragsfrei, ab August sind es nur noch die vom Land finanzierten zwölf Monate. Außerdem zahlen gutverdienende Eltern pro Monat zehn Euro mehr für den Besuch ihrer Kinder an Offenen Ganztagsschulen. 

 

Der Unmut der Eltern, die vor der Ratssitzung demonstrierten, war vorhersehbar. Zwar soll das eingesparte Geld zum Teil in die Offenen Ganztagsschulen gesteckt werden. Auch beschloss der Rat Ende Juni noch eine »soziale Abfederung« mit geringeren monatlichen Beiträgen für die unteren Einkommensstufen. Doch bereits ab einem Familieneinkommen von 36.814 Euro brutto wird es deutlich teurer: zwischen 742 und 2215 Euro mehr. Diese Einkommensgruppe ist bereits vor einem Jahr stark belastet worden, als die Stadt die Beiträge für die Betreuung von Kindern unter zwei Jahren um bis zu 30 Prozent erhöhte. 

 

Hinzu kommt: der Ausbau der städtischen Kitas hält mit der steigenden Nachfrage nicht Schritt. Notgedrungen weichen viele Eltern auf private Einrichtungen und Elterninitiativen aus und akzeptieren deren zum Teil erhebliche Gebühren, die zum städtischen Beitrag noch dazu kommen. Ohne auch nur annähernd zu den »Besserverdienenden« zu gehören, kommen sie inklusive Essensgeld leicht auf einen Betrag von monatlich 600 Euro
oder mehr. 

 

Es gibt nur wenige Kommunen in Deutschland, in denen die Kinderbetreuung so teuer ist wie in Köln. In Düsseldorf ist die Ü3-Betreuung gratis, in München ist bei der Ü3-Betreuung selbst der Höchstsatz nur halb so hoch wie in Köln. In Berlin werden die Gebühren schrittweise komplett abgeschafft. Dort sind ab August bereits die letzten vier Jahre vor der Einschulung kostenlos. 

 

Kirsten Jahn hat natürlich recht: Man darf die Qualität beim Kita-Ausbau nicht aus den Augen verlieren. Dafür braucht es mehr Geld, genauso wie für den von prekären Beschäftigungsverhältnissen geprägten Offenen Ganztag. Es stimmt auch, dass Eltern, sofern sie es denn können, gerne etwas mehr dafür zahlen, dass ihre Kinder gut betreut sind. Dass aber der neuen schwarz-grünen Koalition bei der Haushaltsplanung nichts besseres einfällt, als ausgerechnet Kitas und Schulen teurer zu machen — was dem Haushalt gerade mal 3,9 Millionen Euro einbringt, aber viele Eltern erheblich mehr belastet — ist unverständlich. Wenn Eltern weiterhin jedes Jahr ein bisschen mehr zahlen müssen, mal bei U2, mal beim Offenen Ganztag, dann könnte das bald ein Grund sein, sich den neuen Job lieber in Hamburg oder Frankfurt zu suchen. Mit dem kleinen Babyboom in Köln wäre es schnell wieder vorbei.