Die 1990er werden immer beliebter. Es ist das Jahrzehnt von Eins Live und VIVA, Köln wird zur Medienhauptstadt ausgerufen. Musikhauptstadt sind wir schon: Techno und überhaupt elektronische Musik aus Köln werden zu weltweit gefeierten Marken, der angeblich beste Club Deutschlands ist jetzt in Köln — das Studio 672 — (Berlin meint man noch getrost ignorieren zu können), das Summerjam am Fühlinger See startet durch, die Popkomm ist das wichtigste Musikbranchen-Ereignis hierzulande, und seit 1999 hat Köln mit Gentleman auch einen Reggae-Superstar. Gute Laune am Rhein — und mittendrin die Stadtrevue.
Wir werden bunter, die Fotos größer und die Layouts aufwändiger, Lifestyle-Themen nehmen zu, Kulturthemen waren noch nie so wichtig für das Heft wie jetzt. Viele Anlässe also zur Pop-Nostalgie? Bitte nicht. Denn tatsächlich war das Jahrzehnt trister, politisch regressiver und neoliberal aggressiver als die kulturindustrielle (Selbst-)Vermarktung uns suggerieren wollte. Der Golfkrieg von 1991, die nicht enden wollende rassistische und neonazistische Gewalt in Deutschland, die Apokalypse der jugoslawischen Bürgerkriege, die Aufarbeitung der Tiefe und »Volkstümlichkeit« der NS-Verbrechen, die in den 1990ern erst richtig einsetzt, der Umbau des städtischen Raums im Privatisierungsrausch, was schon damals auf Kosten von Mietern und Obdachlosen ging — das sind »große« und »kleine« Katastrophen, internationale und sehr kölsche Ereignisse, vergangenheitspolitische und auf eine dunkle Zukunft hindeutende Themen, die sich in den Jahrgängen der Stadtrevue niederschlagen.
Rückblickend erweist es sich als Fehler, das Gerede von der Medienindustrie, der Dienstleistungsgesellschaft und der Pop-Metropole überhaupt ernst genommen zu haben. Die Stadtgesellschaft jedenfalls ließ sich davon benebeln, während ihre Stadt immer unbewohnbarer wurde.
Davon zeugt auch unser Reprint: Jürgen Salm, langjähriger Redakteur der Stadtrevue, stellt die Pläne zur Sanierung der Deutschen Bahnhöfe vor. Man kann schon diesem Text entnehmen, dass die groß angekündigte Sanierung in einem Desaster enden wird. Der im Text bereits erwähnte Umbau des Stuttgarter Bahnhofs wird frühestens 2031 abgeschlossen sein. Die damit verbundenen Immobiliengeschäfte haben da schon lange fette Rendite abgeworfen. Und darum ging es doch.












