A Useful Ghost

Ratchapoom Boonbunchachoke inszeniert einen ebenso skurrilen wie politischen Geisterfilm

An einem öffentlichen Platz weicht ein Demokratiedenkmal dem Bau eines Einkaufszentrums, der Staub der Abrissarbeiten wandert in die Lungen eines Ladyboys und bringt seinen Staubsauger durcheinander. Am nächsten Tag berichtet ein hübscher, etwas entrückt wirkender Kundendienstmitarbeiter von seltsamen Vorkommnissen in einer Fabrik. Nach dem tödlichen Arbeitsunfall eines Beschäftigten soll sich sein wütender Geist eines Ventilators und anderer Gerätschaften bemächtigt haben.

Aber es gibt auch friedliche, sanfte Geister in Ratchapoom Boonbunchachokes Debütfilm. Etwa der von Nat, der an einer Atemwegserkrankung verstorbenen Frau von March, dem Sohn der Fabrikbesitzerin. Es dauert nicht lange, bis die Tote in Gestalt eines kleinen roten Staubsaugers wieder auftaucht. Nat kann sprechen, blinken und zudem mit Bürsten, Düse und Schlauch kommunizieren — und begehren. Dass March mit einem Staubsauger herummacht, der ihm bis unter die Bettdecke folgt, sorgt für Empörung in seiner Familie. Ihr Ansehen wurde durch die schwule Ehe des ältesten Sohns schon genug beschädigt, jetzt auch noch eine Liebesbeziehung mit einem Geist? Die Familie greift zu drastischen Maßnahmen der Geisteraustreibung, es geht an die Substanz: die Erinnerungen. Während sich March einer Elektroschockbehandlung unterziehen muss, lässt sich Nat im Kampf gegen ihr Vergessen für ein Traumforschungslabor einspannen. 

Die Allgegenwart von Geistern ist im thailändischen Kino fest verankert. Ratchapoom Boonbunchachoke schließt an die Tradition an und schreibt sie zugleich mit einer ganz eigenen Handschrift fort. Das Werk, bei der Semaine de la critique in Cannes mit dem Grand Prix ausgezeichnet, navigiert mühelos zwischen Geisterfilm, Sci-Fi, Horror und (queerer) Lovestory. Die eher spirituelle, meditative Logik des Genres lässt der Film — unter anderem mit einem durchgeknallten Set- und Produktdesign — hinter sich. Boonbunchachoke stellt die Figuren in farbintensive, hochstilisierte Tableaux und inszeniert sie in skurrilen Situationen.

Leichthändig kreist »A Useful Ghost« um gewichtige Themen wie Klassengrenzen, Umweltbelastung, gesellschaftlichen Konservatismus und den Umgang mit der Erinnerungskultur. Nicht nur die Geister der Arbeiter melden sich zurück, auch die Opfer des Massakers durch das thailändische Militär in Bangkok 2010.

(Pee Chai Dai Ka ) T/F/SGP/D 2025, R: Ratchapoom Boonbunchachoke, D: Mai Davika Hoorne, Witsarut ­Himmarat, Apasiri Nitibhon, 130 Min. Start: 26.3.

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