Abtauchen in die Weiten des südkoreanischen Films

out of the past – Filmgeschichte online vorgestellt

Der Kanal des staatlichen Koreanischen Filmarchivs gehört zu den beeindruckendsten Youtube-Quellen für Filmgeschichte. Soweit überschaubar gibt es keine andere Website, keinen anderen Kanal, auf dem man sich ähnlich systematisch einen Überblick über eine nationale Kinematographie verschaffen kann wie bei Korean Classic Film. An die zweihundert normalerweise Englisch untertitelte Werke lassen sich gratis abrufen. Und das Angebot wird rege angenommen: Über eine halbe Million Abonnenten und 250 Millionen Abrufe zählt Youtube für den Kanal.

Die ältesten Filme stammen aus den Dekaden der japanischen Besetzung des Landes (1910 bis 1945), darunter sind rare Werke wie Yang Ju-nams Moritat über eine Ehefrau auf Abwegen »Sweet Dream (Lullaby of Death)« (1936) und Lee Byung-ils exquisiter »Spring of the Korean Peninsula« (1941). Auch das erste Nachkriegswerk aus Südkorea findet man, Choi In’kyus »Hurrah! For Freedom« (1946), und erste Meisterwerke der jungen Filmindustrie, darunter Lee Kang-cheons antikommunistischer Kriegskracher »Piagol« (1955) und Shin Sangoks Prostituierten-Noir »The Flower in Hell« (1958).

Wer den Kanon bevorzugt, findet genügend Filme von Schlüsselregisseuren der südkoreanischen Filmgeschichte wie Yu Hyun-mok, Lee Man-hee, Im Kwon-taek, Kim Ki-young, um einen guten Einblick in ihr Werk zu bekommen. Einige von ihnen haben sogar ihre eigenen »Playlists« auf Korean Classic Film, sodass man nicht herumsuchen muss. Wobei es eine gewisse Fluktuation gibt: Bae Chang-hos meisterliches Melodram »Hwang Jini« (1986) war zum Beispiel jahrelang dort zu finden, ist aber seit kurzem verschwunden. Das erste abendfüllende Zeichentrickstück der Republik Korea, Shin Dong-heon Shins würzige Ballade über einen guten Räuber »A Story of Hong Gil-dong« (1967), ist aber weiterhin am Start. Restauriert wurde der Film übrigens auf der Basis der einzigen noch existierenden 16mm-Kopie, die in Japan aufbewahrt wird — was passt, wo doch Shins Vobild Anime- und Manga-Gottvater Tezuka Osamu war.

Kurz: Allein mit dem Kanal Korean Classic Film ließe sich auch eine mehrere Wochen dauernde Verlängerung des aktuellen Lockdowns überbrücken. Wir hoffen aber natürlich trotzdem, dass die Kinos in Köln bald wieder öffnen.

youtube.com/user/KoreanFilm

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