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Man schießt sie ab, nimmt ihnen die Eier weg — und trotzdem vermehren sich die Wildgänse

Ein Stück Park zu finden, auf dem keine Gänsekacke liegt, ist manchmal gar nicht so leicht — zumindest, wenn irgendwo ein Teich in der Nähe ist. Am Theodor-Heuss-Park etwa oder am ­Aachener Weiher muss Slalom laufen, wer nicht in die Hinterlassenschaften von Kanada- und ­Nilgans hineintreten möchte. ­Diese Wildgänse sind in den 90er Jahren nach Köln eingewandert und haben sich seither munter vermehrt. Mehrmals pro Woche gehen Beschwerden über die ­Tiere ein, wie die Stadt mitteilt. Denn die Gänse machen nicht nur Dreck, sondern auch Lärm. Besonders laut schnattern die Tiere offenbar an den Lindenthaler Kanälen und am Beethovenpark nahe dem Decksteiner Weiher. Von dort kommen die meisten Beschwerden.

Um den Problemgänsen Einhalt zu gebieten, hat die Stadt vor einigen Jahren ein »Gelegemanagement« eingeführt. Mitarbeiter des Grünflächenamts nehmen den Gänsen die Eier weg, nur eines lassen sie im Nest. So bekam man die Kanadagänse bereits in den Griff: Seit einigen Jahren liegt die Population stabil bei etwa 125 Tieren an den »Hotspots« (Stadt Köln) wie Volksgarten und Aachener Weiher, Mediapark oder Rautenstrauchkanal. Anders die Nilgänse, die hoch in den Bäumen brüten. Sie verteidigen ihre Reviere »besonders aggressiv während der Brutzeit«, erfährt man. Innerhalb von zwei Jahren ist ihre Zahl von 33 auf 115 gewachsen. 

Die Wildgänse zählen zum hochwertigen Wildbret 
Marcus Nonn, Kölner Jägerschaft

Und das, obwohl Wildgänse ein beliebtes Ziel von Jägern sind — auch in Köln. 140 Kanada- und 226 Nilgänse wurden im vergangenen »Jagdjahr« in der Stadt geschossen. Nicht an den »Hotspots« wie dem Aachener Weiher natürlich, und auch nicht im städtischen Auftrag, sondern von Jägern in den Jagdrevieren außerhalb des äußeren Grüngürtels. Ein solches Revier sind etwa die Felder rund um Widdersdorf, wo auch Marcus Nonn jagt, Vorsitzender der Kölner Jägerschaft. »Wildgänse findet man oft auf landwirtschaftlichen Flächen, wo zum Beispiel Mais gesetzt wurde«, sagt er. Die Tiere zählten zum »hochwertigem Wildbret«. Das erlegte Tier verzehren die Jäger entweder selbst oder verkaufen es an Restaurants oder den Wildhandel in der Region, erklärt Nonn. »Das ist ein regionales Naturprodukt.« 

Allein, das Problem mit Kot und Lärm in innerstädtischen Parks löst die Gänsejagd auch nicht. »Im Gegenteil kann die Bejagung an den Stadträndern, wo sich die Jagdbezirke befinden, dazu führen, dass mehr Gänse in die Innenstadt ziehen«, teilt die Stadt mit. Dabei seien die Tiere weniger das Problem, »sondern vor allem die Menschen, die durch die sehr hohe Zufütterung eine Mitschuld tragen«. Durchs Füttern verändere sich auch der Kot der Tiere, der Nährstoffgehalt der Gewässer steige, wodurch sie umkippen könnten, warnt man bei der Stadt. Man gibt zu, dass dieses Problem grundsätzlich auch bei einheimischen Vögeln bestehe. Allerdings: »Da die Gänse sehr viel öfter koten (circa alle fünf Minuten) und viel mehr Nahrung aufnehmen, fällt der Kot der einheimischen Vögel weniger ins Gewicht.«  

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