Wer den zweiten Stock des Wallraf-Richartz-Museums besucht, um sich mit der Malerei des Barock zu beschäftigen, entdeckt ein wenig versteckt einen Raum, der zu erblühen scheint. Ein Blick auf den Wandtext verrät, hier handelt es sich um die Ausstellung »B(L)OOMING NOW! — Junge Perspektiven auf barocke Blütenpracht«.
Schüler:innen im Alter von sieben bis achtzehn Jahren aus sechs Grundschulen, zwei Realschulen, einer Gesamtschule, vier Gymnasien, zwei Förderschulen und zwei Berufskollegs präsentieren ihre Werke zur Schau »B(l)ooming« im Wallraf. Welche Zugänge fanden die jungen Kunstinteressierten zu den altmeisterlichen Gemälden und welche Bedeutung spielen florale Motive in ihren überwiegend urban geprägten Lebenswelten? Die kunstvoll gestalteten Blüten werden von reflektierenden Texten begleitet, die ökologische, konsumkritische oder auch religiöse Bezüge herstellen.
Anlass zu der von den Schüler:innen selbst kuratierten Schau war das 40-jährige Jubiläum der Museumsschule Köln. Sie ist eine gemeinsame Einrichtung der Stadt und der Bezirksregierung, und wurde 1986 nach einer Idee des Leitenden Regierungsschuldirektors Werner G. Mayer ins Leben gerufen wurde. Der damalige Direktor des Museumsdienstes Peter Noelke übernahm die Fachaufsicht, aus dem anfänglichen Modellversuch mit zwei Lehrer:innen wuchs nach und nach das Kollegium auf acht Lehrkräfte an, die jeweils zweieinhalb Tage pro Woche in einer Schule und im Museum unterrichten. Heute machen sie für 13.000 Schüler:innen pro Jahr Unterricht im Museum. Dass hierbei alle Schulformen abgedeckt werden, ist bundesweit einmalig. Alle städtischen Museen in Köln sind beteiligt: das Stadtmuseum, das EL-DE-Haus sowie das Römisch-Germanische Museum, Ludwig, Schnütgen, Wallraf-Richartz-Museum sowie das Rautenstrauch-Joest-Museum.
Heute gibt es beispielsweise jahrgangsübergreifende Klassen, diversere Klassen, mehr Inklusion. Schulen in sozialen Brennpunkten werden gezielt angesprochen, so dass alle jungen Lernenden die Möglichkeit erhalten, an den Programm teilzunehmen. Die Lehrer:innen der Museumsschule und die Klassen- bzw. Fachlehrer:innen der Schulen planen den Unterricht gemeinsam, stimmen ihn auf den Lehrplan ab bzw. bereiten diesen gemeinsam vor. Besonders wichtig ist die Heranführung der Schüler:innen an Originale, weshalb der Unterricht in erster Linie direkt in den Museen stattfindet. Kunstwerke, historische Objekte und Alltagsgegenstände werden so zum Ausgangspunkt von neuer Betrachtung, Dialog, kritischem Hinterfragen und kreativer Auseinandersetzung.







