Seit vor fast acht Jahren die Sanierung der Mülheimer Brücke begonnen hat, ändert sich die Verkehrsführung dort immer wieder. Derzeit ist für Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer bloß die Nordseite freigegeben. Das soll sich spätestens 2029 ändern. Je näher aber die Fertigstellung rückt, desto drängender wird die Frage, wie der Verkehr auf der Brücke künftig geordnet wird. In der Mitte werden weiterhin die Stadtbahnen der Linien 13 und 18 rollen. Unklar ist aber, ob der Autoverkehr wie vor der Sanierung vier Fahrspuren bekommen wird oder nur noch zwei — so dass zwei Spuren dem Radverkehr zufielen.
Für Günter Hermkes ist die Antwort klar: »Man hat jetzt die Chance, den Verkehr auf der Brücke zukunftstauglich zu machen«, sagt der Sprecher von »Neue Mülheimer Brücke«. Die Initiative spricht sich für eine »Umweltbrücke« aus, auf der Rad- und Fußverkehr mehr Platz bekommen und das Auto nur eine Spur pro Fahrtrichtung. Schon heute, sagt Hermkes, nutzten täglich 6.000 Radfahrer die Brücke. »Laut Prognosen der Stadt wird sich die Zahl verdoppeln. Es könnten sogar 15.000 werden.« Als Treiber für den Radverkehr auf der Mülheimer Brücke sieht Hermkes Radpendler-Routen, die in den nächsten Jahren entstehen sollen: linksrheinisch am Niehler Gürtel entlang der Hochbahn-Trasse, rechtsrheinisch soll es den Radschnellweg von Bergisch Gladbach nach Köln geben. Es gehe der Initiative aber nicht nur um die Mobilitätswende, betont Hermkes, sondern auch um Mittel gegen »die Umwelt- und Gesundheitsbelastung in Mülheim«. Vor allem der Clevische Ring, auf den der Verkehr von der Brücke nach Norden abfließt, gilt als Hotspot für Luftschadstoffe.
Auch ist dort die Lärmbelastung so hoch, dass Anwohner erfolgreich die Stadt verklagt haben, Tempo 30 einzurichten. Vor der Sanierung wurde die Brücke auch stark von LKWs genutzt, die zum Niehler Hafen fuhren. Günter Hermkes glaubt, ein dauerhaft reduzierter Autoverkehr auf der Brücke käme dem Stadtteil zugute.
»Die Zwangseinschränkungen während der Sanierung haben die Verkehrs- und Umweltsituation in Mülheim erheblich verbessert«, sagt er. Anders bewerten Kölner Wirtschaftsverbände wie die IHK oder die Handwerkskammer die Lage. Sie fürchten Stau und Verkehrschaos, wenn die Brücke dauerhaft zweispurig bleibe. »Diese pauschale Behauptung ist falsch«, sagt dazu Hermkes. »Auch das zeigt ja die heutige Situation.«
Man hat jetzt die Chance, den Verkehr auf der Brücke zukunftstauglich zu machenGünter Hermkes
Ende Januar hat der Mobilitätsausschuss des Stadtrats beschlossen, die Auswirkungen eines ein- und zweispurigen KFZ-Verkehrs auf der Mülheimer Brücke zu prüfen. Das hatte die Stadtverwaltung vorgeschlagen. Die SPD hatte in einem Änderungsantrag ergänzt, dass auch modelliert werden soll, was passiert, wenn die Zoobrücke oder Severinsbrücke, die wohl als nächste Kölner Rheinbrücke saniert werden muss, gesperrt wären. Die Untersuchung wurde mit Stimmen von Grünen, SPD, Linke und Volt beauftragt. CDU, FDP und Kölner Stadtgesellschaft (KSG) sowie AfD stimmten dagegen. Sie alle sind für vier Autospuren — und wollen die 110.000 Euro für ein Gutachten lieber sparen.
Lukas Lorenz kann das nicht nachvollziehen. »Alles, was uns inhaltlich weiterbringen wird, wird aus dem Gutachten hervorgehen«, sagt der verkehrspolitische Sprecher der SPD. »Wir wollen faktenbasiert entscheiden, nicht aus einem Bauchgefühl heraus.« Die SPD gilt im Stadtrat als Mehrheitsmacherin in der Frage zur künftigen Verkehrsführung auf der Mülheimer Brücke. Alle anderen Fraktionen haben sich anscheinend festgelegt. Die größten Herausforderungen sieht Lorenz ohnehin nicht auf der Brücke, sondern bei ihren Zufahrten. »Wenn man den Radverkehr auf der Brücke ausbaut, muss man sicherstellen, dass er nicht im Nirwana endet«, sagt er. »Derzeit kommt man mit dem Rad am Wiener Platz an und weiß nicht, wie man Richtung Frankfurter Straße weiterfahren soll.« Auch für den motorisierten Verkehr sei das Hauptproblem nicht die Anzahl der Spuren auf der Brücke. »Die meisten Staus entstehen an den Kreuzungen an Wiener Platz und Boltensternstraße.« Einen Vorteil sieht Lukas Lorenz darin, dass keine bauliche Trennung der Fahrspuren auf der Mülheimer Brücke vorgesehen ist und man so etwa auf die Sanierung nahegelegener Brücken reagieren könne. »Das gibt einem Möglichkeiten, Kompromisse zu finden.« Auch wenn die derzeit weit entfernt scheinen.






