Betonpolitik am Ebertplatz

Die Stadt will Streetwork streichen und mauert Abgänge zu

Warum gibt es eigentlich noch kein Wimmelbildbuch über den Ebertplatz? Ali Mitgutsch hätte Freude gehabt am Treiben auf dem größten der inner­städtischen Plätze: Konzerte, Kunst, Tisch­tennis, Kinder, die sommers im Wasser der Brunnen­plastik planschen und winters eislaufen, Beete, die von Anwohner:innen gepflegt werden, unten die Kneipe »African Drum«, oben der Gastro­container mit Liege­stühlen. Irgendwo pinkelt sicher auch ein frecher Junge in die Büsche.

Um kindgerecht zu sein, müsste man das Bild beschönigen. Der Ebert­platz hat seine Schatten­seiten: Drogen­handel und -konsum, Polizei­einsätze und die Erinnerung an zwei tödliche Gewalt­taten. Seit Jahren wird ­diskutiert, ob und wie der Platz umgebaut werden muss, um ­sicherer zu sein. Pläne sind in ­Arbeit. Einen zementierten Vor­geschmack bieten seit kurzem drei verschlossene Abgänge. 

Dass der Ebertplatz nicht von seinen Problemen dominiert wird, ist den Galerien zu verdanken, die seit 2013 die West­passage beleben, und der 2017 gestarteten Zwischen­nutzung auf dem Platz. Das städtisch finanzierte Konzept bestand bislang aus einem Manage­ment, Street­work, Konzerten und Kunst. So gelang es, den negativen Schlag­zeilen etwas entgegen­zusetzen. Der Ebertplatz ist belebt und wirkt sicherer. 

Im Dezember endete der ­ertrag mit der beauftragten Agentur und damit die Finanzierung. Wie es weiter­gehen soll, blieb monate­lang unklar. »Wir wollen die Strukturen erhalten und den Platz weiter beleben«, sagt Andreas Scheffler vom Ebi e.V., einer Bürger:innen-Initiative. Sie würden das am liebsten selbst über­nehmen und das Programm so ausbauen, dass es sich selbst trägt. »Dafür brauchen wir aber ein Commit­ment der Stadt«, sagt Scheffler.

Wir wollen die Struktur erhalten und den Platz weiter beleben
Andreas Scheffler, Ebi e.V.

Die ließ derweil die drei Abgänge zubetonieren. Eine Rats­anfrage von Die Partei ergab, dass sich die ursprüng­lichen Kosten von 175.000 Euro verviel­facht hatten. Weil die Beton­deckel auch Einsatz­fahr­zeuge tragen sollen, kosten sie mehr als eine halbe Million Euro. Nötig sind sie laut Stadt und Polizei, um das Sicher­heits­gefühl zu erhöhen und effektiver kontrollieren zu können.

Die Ratsmitglieder lobten, was die Menschen vor Ort erreicht ­haben. »Wenn einmal etwas gut läuft in der Stadt, müssen wir das erhalten«, sagte Sandra Schneeloch (Grüne). Maria Helmis-Arend (SPD) kritisierte die »frag­würdige Beton­entscheidung«. Niklas Kienitz (CDU) verband die Diskussion mit dem Umbau des Platzes: »Wir sind gespannt, wie es bau­lich weiter­gehen soll.«

Anfang Juli sollte der Rat abstimmen. Die Stadt­verwaltung schlägt vor, den Bedarf für die nächsten fünf Jahre auf 1,369 Millionen Euro zu halbieren. Die Street­work, für die Vorjahre mit 73.000 Euro angegeben, soll ganz entfallen. Grünen, SPD und Peter Jüde (Gut) beantragten, die Fort­führung wenigstens zu prüfen und den Initiativen schnell wieder Geld für das Kultur­programm zur Verfügung zu stellen. Eine breite Mehr­heit folgte ihnen. Was die Verwaltung daraus macht, wird sich spätestens im Herbst bei den Haus­halts­beratungen zeigen.

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