Es beginnt mit einer Migräne. Und in den Filmen Pedro Almodóvars sind körperliche Schmerzen selten nur körperlich. In seinem neuen, »Bitteres Fest«, kämpft Elsa, einst gefeierte Arthouse-Regisseurin, heute Werbefilmerin, nach dem Tod ihrer Mutter mit Panikattacken und Schreibblockaden. Erst allmählich offenbart der Film, dass ihre Geschichte selbst Teil eines Drehbuchs ist, das der erfolgreiche Regisseur Raúl in der Gegenwart schreibt. Aus dem Melodram wird eine raffinierte Reflexion über Erinnerung, Kreativität und die Frage, wem Geschichten eigentlich gehören.
Nach dem autobiografisch gefärbten »Leid und Herrlichkeit« (2019) blickt Almodóvar also erneut auf den eigenen Schaffensprozess, diesmal jedoch weniger sentimental als selbstkritisch. Sein Alter Ego ist kein souveräner Künstler, sondern ein Mann, der die Schicksale seiner engsten Vertrauten hemmungslos in Kunst verwandelt. Wo liegen die ethischen Grenzen der Autofiktion?
Formal bleibt »Bitteres Fest« unverwechselbar Almodóvar. Die kräftigen Farben, sorgfältig komponierten Räume und eleganten Kamerabewegungen erzeugen eine artifizielle, zugleich zutiefst emotionale Welt, die sein Kino seit Jahrzehnten prägt. Die Erzählung springt mühelos zwischen den Zeitebenen, verschränkt Realität und Fiktion, getragen von lberto Iglesias’ Score. Und spätestens wenn Chavela Vargas Liebesklage »La Llorona« erklingt, bleibt kaum ein Auge trocken.
Bárbara Lennie verleiht Elsa eine stille Verletzlichkeit, Leonardo Sbaraglia spielt den selbstzweifelnden Regisseur mit Charme und unterschwelliger Eitelkeit. Den emotionalen Höhepunkt setzt jedoch Aitana Sánchez-Gijón als langjährige Assistentin Mónica mit ihrem Vorwurf, dass Raúl sein Umfeld skrupellos ausbeute.
Dennoch: Die verschachtelte Konstruktion erzeugt bisweilen mehr intellektuelle Bewunderung als emotionale Beteiligung. Manche Figuren bleiben Projektionen und gewinnen nie wirklich ein Eigenleben, auch der abrupte Schluss wirkt ein wenig unbefriedigend. Und doch gehört Almodóvars 23. Langfilm zu seinen interessantesten Arbeiten der letzten Jahre. Weniger unmittelbar als »Leid und Herrlichkeit«, dafür mutiger, verbindet der Film Melodram, Metaerzählung und Selbstreflexion zu einem Spätwerk, das aufs Beste herausfordert. Gerade weil Almodóvar seine eigenen Gewissheiten als Filmemacher derart ungeschützt infrage stellt.







