Der Kölner Verein »Lobby für Mädchen« schafft seit fast vierzig Jahren Anlaufstellen für Mädchen und junge Frauen — in Fällen wie sexueller Gewalt, Essstörungen oder Diskriminierung. Jährlich erreicht er über 3.300 Betroffene sowie etliche Angehörige und Fachkräfte. Bezuschusst wird der Verein von Land und Kommunen. Doch ausreichend sind diese Gelder längst nicht: »Die Zuschüsse sind seit 2024 gleichgeblieben. Unsere steigenden Kosten decken sie nicht«, erklärt Sabine Osbelt aus dem Vorstand.
Eine Crowdfunding-Aktion soll auch dieses Jahr die Lücke schließen. 20.000 Euro sollen bis Ende November über die Plattform »Hier mit Herz« der Sparkasse Köln-Bonn zusammenkommen. Diese Summe decke laut Osbelt bei weitem nicht den Bedarf, sondern stecke lediglich ein realistisches Ziel ab. Weil das nicht erreicht wurde bislang, wurde die Aktion verlängert.
Unsere Arbeit zeigt, wie sehr Mädchen- und Frauenhass normalisiert ist
Antonia Meier
Die Spenden sind Grundlage dafür, dass die Angebote des Vereins erhalten bleiben können. Was alle Projekte gemeinsam haben, ist ein klarer Bezug zum Thema Gewaltschutz. Osbelt und ihre Kolleginnen beobachten schon lange, dass dieser immer relevanter wird. Denn die Gewalt gegen Mädchen und junge Frauen nimmt zu, wie die Kriminalstatistiken der letzten Jahre bezeugen. »Unsere Arbeit zeigt, wie sehr Mädchen- und Frauenhass normalisiert ist«, sagt Antonia Meier von der »Lobby für Mädchen«. »Die Grenzen des Sagbaren in unserer Gesellschaft verschieben sich.« Die Toleranz für mädchen- und frauenverachtende Aussagen und Taten steige weiter an. Durch den digitalen Raum nehme die Gewalt außerdem neue Dimensionen an, etwa durch sexualisierte KI-Inhalte.
Dass der neue Haushaltsplan dennoch massive Kürzungen für das Hilfesystem für Frauen und Mädchen vorsieht, ist für den Verein besorgniserregend. Die eigenen Zuschüsse bleiben, Stand September, zwar für die nächsten zwei Jahre bestehen — doch die Streichung von anderen Anlaufstellen könnte sich auch auf die Auslastung der »Lobby« auswirken. »Wir solidarisieren uns mit den Frauenorganisationen in Köln«, sagt Meier. »Denn bei bundesweit steigenden Zahlen von Gewalt gegen Mädchen und Frauen müssen diese Strukturen verlässlich finanziert und das Recht auf Gewaltschutz garantiert sein.«
Letzteres würde die Stadt Köln durch die geplanten Kürzungen bei Projekten für Frauen und Mädchen vernachlässigen. Auf Nachfrage der Stadtrevue, inwiefern die Kürzungen mit dem Anspruch auf Gewaltschutz und Beratung ab 2027 vereinbart werden sollen, antwortete die Stadt, die geplanten Kürzungen seien zwar »schmerzhafte Einschnitte«, aber dennoch Teil eines »ausgewogenen Ergebnisses, um die Strukturen in der Stadt aufrechtzuhalten«. Wie trotz der Kürzungen der Rechtsanspruch auf Gewaltschutz durchgesetzt werden soll, konnte die Stadt nicht darlegen. Für Osbelt und Meier ist klar, dass die Umsetzung des Gesetzes letztendlich bei unterfinanzierten und überlasteten Organisationen wie der »Lobby für Mädchen« liegt. »Selbst bei vorliegender Gesetzgebung sind es engagierte Feministinnen wie wir, die Prozesse in Gang bringen und Umsetzung einfordern«, sagt Osbelt.
Ab diesem Jahr plant die Lobby eine »Mädchenpolitikakademie«, die jährlich um den Weltmädchentag am 11. Oktober stattfinden und eine Schnittstelle zur Politik bieten soll.






