Die Kölner Filmszene zeichnet sich durch eine große Zahl mittlerer und kleinerer Filmfestivals und Filmreihen aus, die alle erdenklichen Themen und Blickwinkel der Filmkunst erforschen. Über 20 Festivals finden über das gesamte Jahr in Köln statt, doch im Herbst knubbeln sie sich besonders. Dank eines großen Zusammenhalts innerhalb der Szene kommt es aber selten zu zeitlichen Überschneidungen. Darüber kann sich das Publikum nur freuen, denn so ist eigentlich permanent Festivalstimmung in Köln. Das gilt vor allem für den Oktober, wenn fünf Festivals, darunter zwei neue, die Kinos bespielen. Festivals fokussieren sich häufig auf Themen, Genres und Formate, die im alltäglichen Kinobetrieb nur am Rande oder überhaupt nicht stattfinden. Da gibt es Produktionsländer oder ganze Kontinente wie Afrika, die im regulären Kino unsichtbar sind, nun aber im Zentrum stehen: beim Afrika Filmfestival, Tüpisch Türkisch, Visions of Iran oder Kino Latino. Es gibt Festivals, die den weiblichen oder queeren Blick feiern wie das Frauenfilmfestival oder das Queerfilmfest. Festivals wie das Fantasy Filmfestival, die sich ganz dem Genre des Übersinnlichen und des Horrors hingeben, jenseits des Mainstreams. Oder Festivals, die ausschließlich das dokumentarische Format spielen wie Stranger than Fiction. Und mit See the Sound gibt es auch ein Musikfilmfest in der Stadt. Kurzfilme haben im Kino schon lange keine feste Heimat mehr — beim Kurzfilmfestival Köln stehen aber auch sie im Rampenlicht. Festivals sind zudem keine reinen Abspielorte. Sie sind Räume für Austausch und Diskussion und ermöglichen eine intensive kritische Auseinandersetzung — häufig im direkten Kontakt mit den Filmemacher*innen. Auf Filmfestivals steht neben Filmen und deren Themen die Begegnung und das Gespräch im Zentrum. Das sind wertvolle Qualitäten in einer instabilen Gesellschaft. Ein Überblick, wann und wo man diese Begegnungsräume im Oktober in den Kölner Kinos findet.
Moovy — tanz | film | vr | ar | ki festival köln
Das Tanzfilmfestival »Moovy« feiert in diesem Jahr sein Zehnjähriges. Das Festival zieht sich im Jubiläumsjahr mit einzelnen Veranstaltungen über gut zwei Wochen. Neben Kurzfilmrollen mit Filmen über Tanz gibt es Tanzfilmspaziergänge, bei denen Kölner Orte aus filmischen Tanzperformances erforscht werden, Extended-Reality-Ausstellungen und passend dazu ein zweitägiges Symposium. Nicht umsonst führt Moovy nun auch die Kürzel VR, AR und KI in seiner Selbstbeschreibung auf.
4.–18.10., Filmforum NRW, TanzFaktur, Tanzmuseum/Tanzarchiv Köln, Kölnisches Stadtmuseum.
moovy-festival.com
Cinepänz — Junges Filmfestival Köln
Seit 1990 widmet sich Cinepänz dem Kinder- und Jugendfilm. Es gibt Kurzfilmprogramme für unterschiedliche Altersstufen und die Sektion Panorama mit neuen Filmen. In den beiden Wettbewerben für Kids und für Teens sind jeweils drei Filme zu sehen — Spielfilme, Animationsfilme und Dokumentarfilme. Eine Jury kürt nach Sichtung und eingehender Beratung die Gewinnerfilme. Das besondere: Die Jury setzt sich ausschließlich aus Kindern und Jugendlichen zusammen, die in einem Workshop auf ihre Arbeit als Kritiker vorbereitet werden. Workshops zu Filmbildung und Medienkompetenz durchziehen das komplette Festivalprogramm. Darin geht es um Video und Audio, Animation und Trickfilm, aber auch um Empowerment und den Umgang mit digitaler sexualisierter Gewalt sowie um Einsamkeit. In diesem Jahr haben Diana Kaiser und Sophie Dettmar die Leitung des Festivals übernommen. »Uns ist besonders wichtig, mit Filmbildung Medienkompetenz zu fördern und Raum für Austausch zu schaffen«, sagt Dettmar. »Deshalb gehört zu jedem Screening ein Filmgespräch.« Diskutiert werde über die Themen und Perspektiven der Filme und ihre Machart, außerdem gebe es Einblicke in die Produktion. »Der gemeinsame Austausch ist ein wichtiger Teil von Demokratieförderung«, sagt Dettmar. Filme könnten Perspektiven eröffnen, Fragen aufwerfen und Denkanstöße geben. »Im Gespräch entsteht die Möglichkeit, gemeinsam darüber nachzudenken und unterschiedliche Sichtweisen kennenzulernen.«
10.–15.10., Filmforum NRW, Filmhaus, Lichtspiele Kalk, Odeon & div. Bürgerzentren u. Jugendhäuser.
cinepaenz.de
Edimotion — Festival für Filmschnitt und Montagekunst
Schon der Untertitel »Festival für Filmschnitt und Montagekunst« zeigt, dass Edimotion eine besondere Perspektive jenseits der gängigen Zuschauer*innen im Kino an der Schnittstelle zwischen Filmfestival und Branchentreff einnimmt. Denn hier geht es um eines der im allgemeinen Betrieb am unsichtbarsten Gewerke — der Montage. Edimotion verleiht seit 26 Jahren — im letzten Jahr wurde groß das 25-Jährige gefeiert — die Schnittpreise an die Editor*innen der nominierten Filme. Alle nominierten Filme werden auf dem Festival gezeigt, darunter jüngere Kritiker- und Publikumserfolge wie »Rose«, »In die Sonne schauen« oder »Gelbe Briefe«. Wenn nach den Filmvorführungen mit den Editor*innen über ihre Arbeit an den Filmen gesprochen wird, ist das sowohl für Laien als auch für Profis spannend. Die angeschlossenen Workshops sind dann vor allem Teil des Branchentreffs. Eine Verbindung zu Cinepänz stellt sich dadurch her, dass neben den herkömmlichen Jurys auch eine Jugend-Jury aus Mitgliedern zwischen 16 und 19 Jahren über die Gewinner entscheidet.
16.–19.10., Filmforum NRW, Filmhaus.
edimotion.de
Outframe Filmfest
In diesem Jahr das erste Mal dabei ist das kleine Filmfest »Outframe«. Die Initiatorin Lena Mrachacz will einen Blick auf vergessene Filme jenseits der Norm zeigen, von Filmemacher*innen jenseits der Regeln. Es geht um Filme von »Menschen, die aus dem, was ihnen verweigert wurde, eine eigene Ordnung bauen«, so Mrachacz. Dabei legt sich »Outframe« nicht auf Genres, Dekaden oder Themen fest, sondern will Filme zeigen, die »Gemeinschaft als Widerstand, Sichtbarkeit als Akt, Subkultur als die Kraft« definieren. Die erste Ausgabe trägt entsprechend den Titel »Subcultures, Resistance & Shared Desires«.
23.–24.10., Filmhaus Kino
countercuts.com/outframe-filmfest-2026/
Albanisches Filmfestival
Auch das Albanian Film Festival ist neu in der Stadt. Nachdem das Festival im Frühling erstmals in Berlin stattgefunden hat, folgt vom 26. bis 29. Oktober bereits der Kölner Ableger. Veranstalter ist wie in Berlin der ABC Book Club, in dem sich Albaner*innen aus Albanien, Kosovo, Nordmazedonien und der Diaspora der Literatur, jetzt aber auch der Filmkunst widmen. Man will sich mit dem kleinen Festival ausdrücklich nicht nur an die albanische Community, sondern an alle Filminteressierten richten. An vier Tagen werden acht Lang- und vier Kurzfilme gezeigt, die zum Teil auch regulär in den deutschen Kinos liefen oder laufen werden. So ist als Preview »Von Scham und Geld« zu sehen, der im Oktober regulär in den Kinos laufen wird (s.S. 72). Neben Dramen findet hier auch eine Komödie ihren Platz im Programm. Die Filme werden im Original mit englischen Untertiteln gezeigt.
26.–29.10., Filmhaus Kino Köln.
Filmhaus-koeln.de
Im November geht es weiter mit dem Film Festival Cologne, dem größten der vielen Kölner Filmfestivals. Vom 29.10. bis zum 5.11. zeigt es Premieren mit Filmgesprächen. Einen Wettbewerb gibt es nicht, dafür etliche Sektionen, die visuelle Besonderheiten honorieren oder die regionale Filmszene in NRW in den Fokus stellen. Auch das Fernsehen hat hier seinen Platz. Vom 12. bis zum 15. November folgt das Kurdische Filmfestival mit Filmen aus den kurdischen Regionen der Türkei, des Irans, Iraks und Syriens. Vom 23. bis zum 29. November widmet sich dann das Kurzfilmfestival Köln ganz dem Kurzformat.







