Das Staunen der Maschinen

Coloma melden sich mit einem neuen Album zurück

Recap für Spätgeborene: Coloma sind Rob Taylor und Alex Paulick, zwei Engländer, die Mitte der 90er mit ihrer damaligen Band Tonic nach Köln kamen, um ihren waschecht-versierten Britpop auf die Schildergasse und in die Clubs zu bringen. Damals ein Graswurzel-Hype, der jedoch unverständlicherweise nicht zum internationalen Durchbruch führte. Als Coloma ließen Taylor und Paulick ab der Jahrtausendwende klassisches britisches Songwriting und Crooner-Gesang à la The Divine Comedy oder David Sylvian auf minimalistisch-elegante Elektronik-Arrangements treffen. Ihr Song »Transparent« lief auf Kölncampus in Dauerschleife. Nach vier Alben war 2009 Schluss. Dass Coloma nicht zu Stars wurden, ist eines dieser großen Pop-Missverständnisse. 

Doch nun, 17 (!) Jahre später, erscheint mit »When We Were New« tatsächlich ein neues Album, das klingt, als hätten Rob und Alex nur kurz ein Nickerchen gemacht, um dort weiterzumachen, wo sie aufgehört hatten. Alex, federführend für die Arrangements verantwortlich, arbeitete mit ›reinen Stimmungen‹, die für einen vollkommeneren Zusammenklang und mehr Opulenz sorgen. Die das Album dominierenden glasklaren, harfenartigen Klänge sind, so Alex, »eine Kombination aus mehreren Synthesizern, die analoge Wärme mit einem kälteren Granularsynthese-Ansatz verbindet«. Rob, der Mann mit dem perfekten Vibrato, schrieb seine Texte »aus der Perspektive einer Maschine, die anfängt, über die Existenz zu staunen«. Dies führte zu einer Art Mensch-Maschine-Dualität, »eine Maschine, die sich menschlich oder ein Mensch, der sich wie eine Maschine fühlt. Zunächst dachte ich an autonome Fahrzeuge, die davon begeistert sind, mit Sprache und in Liedern die Welt, durch die sie fahren, zum Ausdruck bringen zu können. Dann wandte ich diese Perspektive auf menschliche Erfahrungen an — sich zu verlieben, sich zu trennen oder sich glücklich, traurig oder müde zu fühlen«.

Das neue Album ist die meisterhafte Rückkehr einer Band, deren Platz im Sophisti-Pop-Kanon unantastbar sein sollte. Sollte, hätte, würde — Hauptsache es geht weiter! »Wir arbeiten schon an neuen Songideen, hoffentlich werden wir auch ein paar Konzerte geben«, stellt Alex in Aussicht. Ein Thema gibt es laut Rob schon: »Das nächste Album dreht sich um die Frage, ob die Zeit linear vergeht oder nicht«. Wir sind ­gespannt auf die Antwort!

Tonträger: Coloma, »When We Were New« erscheint im Januar auf allen digitalen Plattformen

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