Wir müssen von vorne anfangen, denn Graham Johnson ist in Köln noch ein Unbekannter: Quickly, Quickly ist das Projekt des Produzenten und Multiinstrumentalisten aus Portland, und bislang ist seine Musik hierzulande unterhalb der Wahrnehmungsschwelle gelaufen. Ein paar Veröffentlichungen auf dem L.A.-Label Ghostly International, ein Name, der in den Playlists so mitläuft. Das passt allerdings ganz gut zu dieser Musik, die sich konsequent klaren Konturen entzieht und sich ins Diffuse, Offene flüchtet.
Jonson nennt sie selbst »Portland Music«. Der Begriff klingt zunächst nach einer Ausweichbewegung, nach lokalpatriotischer Folklore für Leute, die zu viele Kassetten besitzen. Tatsächlich beschreibt er aber recht präzise, worum es geht: eine Musik, die aus verschiedenen Szenen kommt — Indie-Rock, Instrumental HipHop, Neo-Psychedelia, Bedroom-Pop —, ohne sich einer davon ganz anzuschließen. Portland erscheint hier als Milieu für eine ungezwungene, autonome Produktionsweise. Man hört, dass diese Stücke aus Räumen stammen, in denen Probe, Aufnahme und Performance kaum voneinander getrennt sind.
Die Songs von Quickly, Quickly funktionieren oft über Schichtung und Abrieb. Gitarrenfiguren werden so weich gefiltert, dass sie wie Erinnerungsspuren klingen; Schlagzeugspuren tauchen nur halb im Vordergrund auf, als würden sie aus einem anderen Mix herübersickern. Dazu kommen Stimmen, die selten emphatisch geführt werden. Die Tracks behalten dadurch etwas Vorläufiges, manchmal fast Zufälliges.
Interessant ist, wie kontrolliert diese Unschärfe gebaut ist. Viele Stücke beginnen mit einfachen harmonischen Schleifen, die sich dann durch kleine rhythmische Verschiebungen verändern. Ein Basslauf setzt minimal versetzt ein, ein Sample bleibt für zwei Takte zu lang stehen, plötzlich öffnet sich im Arrangement eine Lücke. Diese Musik arbeitet nicht auf den großen Effekt hin, sondern auf eine sanfte Destabilisierung des Hörens. Man wartet permanent darauf, dass ein Song sich eindeutig entscheidet, aber genau das passiert nicht.
Darin liegt auch der Unterschied zu jenem Streaming-kompatiblen LoFi-Sound, mit dem Quickly, Quickly gelegentlich verwechselt wird. Jonsons Musik will nicht beruhigen. Sie hält die Dinge in der Schwebe. Vielleicht ist das tatsächlich die eigentliche »Portland Music«: der Versuch, das Ungefähre zu organisieren, ohne es zu glätten.







