Denkmal für anti­kolonialen Widerstand

Im Nippeser »Afrika-Viertel« wird eine Stele für Emely und Rudolf Duala Manga Bell errichtet

Am 25. September morgens um 9 Uhr ist es so weit. Dann werden die Straßen­schilder ausgetauscht, die Gustav-Nachtigal-Straße in Nippes heißt dann Manga-Bell-Straße. Und eine Woche später, am Freitag, den 2. Oktober, wird auf dem kleinen Park an der Manga-Bell-Straße ein Denk­mal errichtet werden, das an das kamerunische Königs­paar Rudolf und Emely Duala Manga Bell erinnern soll. Die Kölner Afrikanistin Marianne Bech­haus-Gerst hat sich dafür seit Jahren eingesetzt: »Ich muss gestehen, dass es schon lange von mir ein Wunsch­traum war, dass irgendwo in Köln ein Gedächtnis­ort geschaffen wird, an dem an den Wider­stand gegen den deutschen Kolonialismus erinnert wird. Und für mich ist das sogenannte Afrika-Viertel eigent­lich der perfekte Ort dafür.«

Die Umbenennung der Straße war von der Bezirks­vertretung schon im vergangenen Jahr beschlossen worden. Rudolf Manga Bell war König des Duala-Volks, als Kamerun noch eine deutsche Kolonie war. Weil er sich gegen die von der Reichsregierung beschlossene Vertreibung seines Volkes gewehrt hatte, wurde er 1914 zusammen mit seinem Mit­streiter Adolf Ngoso Din hingerichtet. Dass die Anklage wegen Hoch­verrats konstruiert war, ist heute unstrittig. Bei den Todes­urteilen handelte es sich um Justiz­morde. Darüber hinaus war der Prozess so kurz­fristig anberaumt worden, dass die prominenten Verteidiger der Ange­klagten, die Sozialisten Hugo Haase und Paul Levi, nicht anwesend sein konnten. Nach der Hinrichtung setzte die Witwe von Rudolf Manga Bell, Emely Manga Bell, bis zu ihrem Tod in den 1930er Jahren den Wider­stand gegen die nun französische und britische Kolonial­herrschaft fort.

Es war lange ein Wunsch­traum, dass irgend­wo in Köln ein Gedächtnis­ort für anti­kolonialen Wider­stand geschaffen wird 
Marianne Bechhaus-Gerst

Dass jetzt ein Denkmal für das Königs­paar Manga Bell errichtet werden soll, hatte die Bezirks­vertretung Nippes in diesem Jahr am 25. Juni gegen die Stimmen der AfD-Fraktion beschlossen. Mit der Umsetzung wurde der »Initiativ­kreis Gedenk­ort Afrika­viertel« beauf­tragt, zu dem auch Marianne Bech­haus-Gerst gehört. Die Initiative entschied sich für den Ent­wurf des in Braun­schweig lebenden Künstlers Fabien Diffe Kamgam. Er wurde 1989 in der Stadt Douala in Kamerun geboren und kam 2012 nach Deutsch­land, um hier zunächst Maschinen­bau und dann Kunst zu studieren.

Das von ihm entworfene Denk­mal ist eine Stele aus Beton, Stein, Keramik und Stahl. Die Form soll an das ehe­malige Gefängnis aus der deutschen Kolonialzeit erinnern, in dem Rudolf Duala Manga Bell vor seiner Hin­richtung 1014 inhaftiert war. Die Gefängnis­ruine existiert bis heute als Zeugnis für die kolonialen Verbrechen.

Von den Anwohnern im Viertel wird das Denk­mal positiv aufge­nom­men, sagt die grüne Bezirks­bürger­meisterin Diana Siebert: »Bei der Straßen­umbenennung gab es bei der Anwohnerschaft aus unter­schiedlichen Gründen große Bedenken. Beim Denk­mal war es anders: Da haben wir über­haupt keine negativen Rück­meldungen bekommen, ganz im Gegen­teil, da gab es viel Zustimmung.«

Mit den Straßen­namen im soge­nannten »Afrika-Viertel« in Nippes wurden in den 1930er Jahren führende Vertreter des deutschen Kolonialismus wie Carl Peters, Adolf Lüderitz und Gustav Nachtigal geehrt. Damit sollten auch die national­sozialistischen Bestrebungen zur Rück­gewinnung der deutschen Kolonien unter­stützt werden. Anfang der 1990er Jahre wurden auf Antrag der Grünen im Afrika­viertel zwei Straßen umbenannt. 

Doch offen­bar hatte man sich damals noch nicht intensiv mit dem Kolonialismus auseinander­gesetzt, sagt Marianne Bechhaus-Gerst: »Die Carl-Peters-Straße wurde in Namibia-Straße umbenannt, obwohl Carl Peters mit Namibia, also der damaligen Kolonie Deutsch-Südwest nichts zu tun hatte, und die Lüderitz-Straße wurde in Usambara-Straße um­benannt, obwohl Adolf Lüderitz nichts mit den Usambara-Bergen in Ost­afrika zu tun hatte. Mit dem deutschen Kolonialismus im Straßen­bild hatte man sich damals eben noch wenig beschäftigt. Zum Glück hat sich das über die Jahre geändert.«

Die neun Straßenschilder für die künftige Manga-Bell-Straße hängen bereits, sind aber noch mit einem orangenen Neon­band über­klebt. Das Denk­mal für das Königs­paar Manga Bell wird am 2. Oktober um 16 Uhr feierlich eingeweiht.  

nippes-ohne-kolonialismus.de

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