Ein Mann, Anfang 30, er nennt sich Hein, kehrt nach 14 Jahren Abwesenheit über das Meer nach Hause zurück. »Was führt dich bloß an diesen gottverlassenen Ort?«, fragt ihn der Schiffer. »Das ist meine Heimat, die kann man sich nicht aussuchen«, antwortet Hein mit einer Mischung aus Lakonie und Rätselhaftigkeit, die sich durch den Film ziehen wird.
Am Strand holt Hein einen kleinen Anhänger aus dem Koffer, geht weiter, trifft die ersten Bewohner, die ihn nicht erkennen. Auch seine Mutter ist sich unsicher, ob Hein tatsächlich der verlorene Sohn ist. Archaisch wirkt diese Gemeinschaft, irgendwann in vorindustrieller Zeit scheint die Geschichte zu spielen. Bewusst unbestimmt und allegorisch erzählt Kai Stänicke in seinem bemerkenswerten Debütfilm.
Ein Dorfgericht wird einberufen, um zu entscheiden, ob Hein der ist, der er zu sein behauptet oder vielleicht doch ein Betrüger. Dafür werden Episoden aus ferner Vergangenheit herangezogen, erst sollen sich Zeugen aus dem Dorf erinnern, dann Hein, doch diese Erinnerungen unterscheiden sich teilweise stark.
Mit subjektiven Perspektiven spielt Regisseur Stänicke in diesen Momenten, lässt Hein auch seinem jüngeren Ich begegnen, zeigt die Freundschaft zu einem Gleichaltrigen namens Friedemann. Dieser ist inzwischen verheiratet und behauptet, Hein nicht zu erkennen.
»Der Heimatlose« ist keine Variante der berühmten und mehrfach verfilmten Geschichte von Martin Guerre, der vorgab, ein anderer zu sein, und als Betrüger hingerichtet wurde. Von Täuschung und Selbsttäuschung erzählt »Der Heimatlose«, vom Wunsch der Zugehörigkeit, der Erkenntnis, nicht in eine bestimmte Gruppe zu passen. Eine universelle Geschichte, die Kai Stänicke durch eine markante Regieidee überhöht: Die wenigen Häuser des Dorfes bestehen nur aus einem Boden aus Holz und einer, manchmal zwei Wänden, einige Requisiten vervollständigen die Illusion. Ganz so weit wie Lars von Trier in »Dogville« geht Stänicke also mit der Stilisierung zwar nicht, doch der Verfremdungseffekt funktioniert ähnlich überzeugend.
D 2026, R: Kai Stänicke, D: Paul Boche, Philip Froissant, Emilia Schüle, 127 Min. Start: 27.8.






