»Like a warrior« hat die 33-jährige Cihan Çakmak ihre erste museale Einzelausstellung benannt, in der sie neben ihren Fotografien und Videoinstallationen auch Sound- und Textarbeiten sowie bislang kaum bekannte Zeichnungen zeigt. Als Plakatmotiv wirbt eine Kriegerin im fliederfarbenen Kostüm. Im Fersensitz kniet sie auf einer Matratze und hat für ihre Tarnstriche einen Lippenstift verwendet. Ihr linker Arm, den die rechte Hand hinter dem Rücken fest umgreift, bildet auf der Seitenansicht mit dem Oberkörper und dem aufrechtstehenden kurzen Zopf eine Diagonale. Die hellen Umgebungsfarben akzentuieren das dunkle Haar und den so erschöpft wie rebellisch wirkenden, direkten Blick ihrer Augen.
Die seit ihrem Studienabschluss an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst in Berlin und Lissabon lebende Künstlerin agiert auf dieser Aufnahme aus der Werkreihe »when we leave«, wie zumeist, selbst als Modell. Den erstaunlich lebendigen Ausdruck ihrer sorgfältig komponierten und mit visuellen Codes gespickten Fotografien, erklärt der »10 Sekunden-Sprint« von der Kamera zur Position im Bild, der Çakmak zwingt ihre Inszenierung loszulassen, wie sie sagt.
In den verschiedenen Medien ihres Werks setzt sie sich mit Herkunft, kultureller Identität, sozialen Beziehungen und weiblicher Selbstbehauptung auseinander. Als Ausgangspunkt dient der Tochter kurdischer Einwanderer aus der Türkei ihre von Restriktionen geprägte persönliche Geschichte.
Ihre Arbeiten eröffnen indes einen Raum für das, was andere darin wiedererkennen. In der Videoinstallation »where I left you«, 2023, stellen eine ältere und eine jüngere Schauspielerin familiäre Momente in einer häuslichen Umgebung dar. Die Arbeit ist eine der intimsten Äußerungen der Künstlerin zu ihrer Biografie, und doch erinnert man unwillkürlich Szenen mit der eigenen Mutter oder Schwester.
Für die Soundarbeit »em fraktal, 01_träumen«, 2022, hat sie aus den Nachtträumen, die sie morgens in ihr Handy spricht, eine Auswahl getroffen, die man sich über Kopfhörer anhören kann. Cihan Çakmak versteht diese Träume als Teil ihrer künstlerischen Arbeit und viele der unbewussten Bilder verwandeln sich in ein reales Werk. Wie schön, dass man von dieser eindrucksvollen Ausstellung auch noch einen Katalog mit nach Hause nehmen kann.







