»Geschichte ist schandbar, dachte Havzhiva, als er mit dem Zug durch die zerstörten Landschaften des Planeten fuhr.« Ursula K. Le Guins Science-Fiction-Texte handeln von Geschichte — Geschichte, die nie geradlinig verläuft, die Rückschläge kennt, umschlagen kann von einem System und von einem Elend in das nächste. Dies trägt aber auch immer die Möglichkeit der Verbesserung in sich. Eine Möglichkeit, weil Geschichte gemacht ist und verändert werden kann. Genau darüber reflektiert auch die titelgebende Kurzgeschichte »Der Tag vor der Revolution«, in der eine alte Revolutionärin auf ihr Handeln zurückblickt. Dieser Sammelband enthält teils neu übersetzte, teils erstmals ins Deutsche übertragene Texte: Kurzgeschichten, Novellen und Essays. Natürlich wird die volle
Bandbreite dieser sehr produktiven, 2018 verstorbenen SFF-Autorin nur angestreift. Und doch gibt jeder der lesenswerten Texte einen tiefen Einblick in ein hoch aktuelles Werk, das über die Jahrzehnte voranschreitend nie bei der rein thematischen Beschäftigung mit ökologischen Themen, mit dem Kolonialismus oder dem Patriarchat stehenbleibt. Sondern eines, das immer auch zu einem Nachdenken über die politische Möglichkeit von Literatur anregt.
S.Fischer, 784 Seiten, 36 Euro






