Dreamers werden in den USA Migranten genannt, die als Kinder illegal in die USA eingereist sind, eine Zeitlang leichter einen legalen Aufenthaltsstatus erlangen und damit ihrem amerikanischen Traum näherkommen konnten. Wenn nun Michel Franco einen Film über eine Liebesbeziehung, die (scheinbar) Grenzen überwindet, »Dreams« nennt, lässt sich schon ahnen, dass das ironisch gemeint ist. Der mexikanische Regisseur schreckt nicht vor schmerzhaften Wahrheiten zurück — ganz im Gegenteil.
Der Träumer des Titels ist der junge Tänzer Fernando, der in Mexiko lebt. Er hat dort eine Affäre mit der von Jessica Chastain gespielten US-amerikanischen Millionärstochter Jennifer, die sich philanthropisch engagiert. Als dann aber Fernando in den USA auftaucht, überschreitet er nicht nur eine Grenze. Der Sex zwischen beiden ist zwar auch hier noch intensiv. Doch wann immer das Paar Dritten begegnet, weicht Jennifer zurück, verleugnet, dass Fernando mehr ist als ein Migrant, den sie und ihre Wohltätigkeitsorganisation fördern.
Passend zum Beginn von Donald Trumps zweiter Amtszeit drehte Franco seinen Film. Denn so sehr Migranten in den USA einen essentiellen Teil der Wirtschaft darstellen, ohne den kaum etwas funktionieren würde, so ambivalent ist das Verhältnis vieler Amerikaner zu neuen Migranten. Und das ausgerechnet in der Nation, die ohne Einwanderung nicht existiert hätte. »Ich weiß es zu schätzen, dass du dich für Migranten einsetzt«, sagt Jennifers Vater einmal, nachdem er von der Beziehung seiner Tochter zu Fernando erfahren hat. »Aber es gibt Grenzen.«
Am Ende geht es um Macht und Kontrolle, in jeder Beziehung: zwischen den USA und Mexiko, den wohlhabenden Schichten Amerikas und den sich illegal im Land befindenden Migranten aus Mexiko, aber auch zwischen Jennifer und Fernando: Wenn sie in der zunehmend sadomasochistisch angehauchten Beziehung den Ton angibt, ist ihre Liebe groß. Versucht Fernando dagegen auf eigenen Beinen zu stehen, zeigt Jennifer sofort ihre andere Seite. Subtil ist es nicht, wie Michel Franco hier das Wesen der sich liberal gebenden, begüterten Klasse Amerikas seziert. Aber zum Glück hat sich Jessica Chastain ganz auf ihre komplexe Rolle eingelassen. Kalt und narzisstisch, zugleich liebesbedürftig und verloren wirkt diese Frau, zwischenzeitlich fast bemitleidenswert — und dann doch zu einem unfassbar brutalen Akt fähig, der Träume zerstört.
MEX 2025, R: Michel Franco, D: Jessica Chastain, Isaac Hernández, Rupert Friend, 99 Min. Start: 23.7.






