Der (bisher) bekannteste Song der britischen Post-Punk-Band Deadletter heißt »Binge« und ist nicht nur groovy, catchy, schlichtweg großartig, sondern auch voll von cleveren Beobachtungen zur modernen Welt. Ja, ich weiß wie das klingt: Stirnrunzelnde Gesellschaftsanalysen darüber, dass die Dinge um uns herum irgendwie komisch sind, sind mittlerweile ein Klischee des zeitgenössischen Post-Punk aus England geworden. Doch wenn etwas funktioniert, dann funktioniert es halt!
Und »Binge« funktioniert: Deadletter erzählen von Früchten, die vielleicht reif oder vielleicht vergammelt sind — wer weiß das schon?! Wir können zwar WOLLEN, BRAUCHEN, HOFFEN und TRÄUMEN, wie es in dem Song heißt, doch am Ende ist das Leben sowieso ein einziger »Binge«, also ein Rausch, ein Exzess. Später geht’s um Pornos, um Simulationen und so weiter. Das Ganze ist poetisch genug ausgeschmückt, um nicht nervig zu werden. Ich sagte ja: funktioniert!
Ja, auch musikalisch — obwohl ich das nicht gedacht hätte. Kurzer Rückblick: Circa 2018, spätestens 2019 ist eine neue Welle an (meistens) britischen Post-Punk-Bands bekannt geworden und bildeten in den Köpfen von Musikfans auf der ganzen Welt eine Szene, die dann leidenschaftlich abgefeiert wurde. Idles wurden zuerst zum Aushängeschild dieser Welt — obwohl Shame eigentlich immer schon cooler waren —, und später avancierten Fontaines D.C. zu tatsächlichen Rockstars. Gleichzeitig kamen verkopftere Varianten dieses Sounds dazu, durch Bands wie Black Midi, Squid oder Dry Cleaning.
Ich hab da bestimmt schonmal an anderer Stelle drüber geschrieben, aber: Eigentlich dachte ich, dieser Sound wäre mittlerweile komplett ausgelutscht. Doch mit Deadletter bin ich nun doch wieder auf eine Band gestoßen, die mich begeistert. Sie haben zwar viele der typischen Charakteristika dieses Sounds — brutale Disco-Beats inklusive Cowbell, scheidende E-Gitarren a la Gang of Four oder The Pop Group, sogar ein Saxofon ist dabei (wie bei vielen dieser Bands) —, fügen aber eine eigene Note hinzu.
Denn was Deadletter letztlich abheben lässt, ist, dass sie an eine der besten Bands aller Zeiten erinnern: Nick Cave & The Bad Seeds. Der intensive Goth-Vibe dieser Legenden schwingt immer wieder mit. Lieb ich!






