Erfrischend unoriginell

Die Fantasy Filmfest White Nights verzichten im besten Fall auf nutzlose Subtilitäten

Die Fantasy Filmfest White Nights sind der zweitägige Halbzeit-­Quickie, mit dem das Warten auf die spätsommerliche Hauptsause abgekürzt wird. Wie sonst soll man auch diese Massen an neuen Produktionen unters Volk gebracht bekommen — auch zum Wohle all der Weltrechtefirmen und spezialisierten Verleiher, die ihre Waren für den kommenden Start selten im Kino angepriesen bekommen? Das soll auch heißen: Offenbarungen sollte man nicht erwarten – das Fantasy Filmfest wird keine malaysischen Thriller, mongolische Krimi-Action oder jakutisch-indigenen Horror auffahren, nur weil das gut ist und noch weitestgehend unbekannt. Was hier läuft, hat schon eine Form von Imprimatur.

Im aktuellen Durchgang erfreut wenig so wie Rod Blackhursts »Dolly«, ein Werk erfrischend frei von jeglicher Originalität — Tobe Hoopers »Texas Chainsaw Massacre« meets Stephen Kings »Misery«, nicht mehr und nicht weniger. Blackhurst bringt dabei seine ganzen TV-gestärkten Naturalismusinstinkte ins Spiel, der seiner surrealistischen Grundkonstellation eine zum Teil wirklich unangenehme Grundgrausamkeit verleiht. Alte Schule, unter 90 Minuten, keine nutzlosen Subtilitäten oder plotblähenden Informationen. Ähnlich erfreulich ist »Deathgasm II: Goremageddon« des sympathischen Kiwi-Genrehaudegens ­Jason Lei Howden — Metal mit ganz viel Death auf ganz verschiedenen Ebenen. Angenehm absurd, mit viel Spezialeffekt-Remmidemmi und allerhand doofem Jux und Dollerei.

Eine zumindest angenehme Überraschung ist Can Evrenols »The Turkish Coffee Table«, ein inspiriertes, in vielen Details über­zeugenderes Remake von Caye Casas’ »The Coffee Table« — und sei es auch nur, weil er nicht so ­juvenil zynisch ist wie seine sonstigen Arbeiten. Am anderen Ende des Spektrums findet sich Paolo Strippolis in Venedig uraufgeführter »Holy Boy«, der über zwei Stunden läuft, weil er einfach zu viele Personen einführt und glaubt, durchcharakterisieren zu müssen. Damit soll wohl eine eigent­lich sehr einfache Geschichte irgendwie glaubhafter wirken. Strippoli kann das besser, das hat er schon zweimal gezeigt. »Holy Boy« wirkt, als wollte er jetzt mal etwas Ernsthaftes machen — und damit hat er allein Versprechen und Leerlauf pro­duziert.

<link http: fantasyfilmfest.com external-link-new-window external link in new>fantasyfilmfest.com

Mach mit: Gemeinsam sichern wir unabhängigen Journalismus für Köln!
→ Ja, ich abonniere die Stadtrevue!
→ Ja, ich erwerbe einen Anteil der Stadtrevue-Genossenschaft!


Tagnacht – Kölns Gastro-Guide. Essen, Trinken, Ausgehen in Köln: alle Küchen, alle Veedel! Hol dir ein Abo und erhalte als Prämie die tagnacht 2025/26 gratis dazu. 

Stadtrevue abonnieren →

Alle Prämien ansehen →

Unsere Magazine

tagnacht – Kölns Gastro-Guide: Essen, Trinken, Ein­kaufen, alle Küchen, alle Veedel, die besten Adressen der Stadt. 
ansehen / bestellen →


Raum 5 – Der Design Guide für Köln/Bonn: Neues und Schönes, Porträts und Tipps sowie 300 Design-Adressen. 
ansehen / bestellen →


alma — Das Kölnmagazin für Studis: Alles, was wichtig ist für den Durch­blick an der Uni und das Leben in der Stadt.
ansehen / bestellen →


kurzundklein – Ein ganzes Jahr Köln mit Kindern: Akti­vi­täten und Aus­flüge, Familien­politik, Stadt­leben, Adressen. 
ansehen / bestellen →


weiter! — Aus- und Weiter­bil­dung in Köln und der Region: Der Pocket-Guide mit rund 200 Adressen und vielen nütz­lichen Infos.
ansehen / bestellen →