Tief hängende Wolken. Bläulich-graues Zwielicht. Gegen den Himmel lassen sich nur die dunklen Umrisse eines Mannes und eines Hundes erkennen, die einen seltsamen Tanz aufführen. An einer Art Angel hängt ein Fellfetzen, den der Mann um sich herum durch die Luft wirbelt, während der Hund laufend und springend versucht, die Beute zu erhaschen.
Der Mann lebt in einer ungewöhnlichen Wohngemeinschaft. Schweigsam hocken vier nicht mehr junge Männer und eine Frau in einem Haus auf den Klippen über einer rauen Küste. Trotz der Panoramafenster im oberen Stockwerk scheint das Innere im ewigen Halbdunkel zu liegen. Es ist Winter, die umliegenden Häuser sind überwiegend verlassen. Die Stimmung bedrückt.
Die Atmosphäre sei das wichtigste, nicht etwa die Geschichte, betont der chilenische Regisseur Pablo Larraín (»Tony Manero«, »No«) oft in Interviews. Die Qualität seiner Filme liegt aber gerade darin, mit welcher Kunstfertigkeit er beides verknüpft, wie die Atmosphäre das erzählt, was nicht sichtbar ist.
Die Lichtsetzung der ersten Einstellungen von »El Club« verrät bereits: Diese Männer haben etwas zu verbergen. Es ist im doppelten Sinne eine zwielichtige Welt, in der sie leben. Wer sie sind und was ihr Geheimnis ist, bleibt unklar, bis eines Tages ein fünfter Mann zum Haus gebracht wird. Wie die anderen ist er Priester. Und wie die anderen soll er vor der Öffentlichkeit geschützt werden — und die vor ihm. Das wird deutlich, als ein offenbar schwer traumatisierter Mann vor dem Haus an der Steilküste auftaucht und für alle hörbar davon erzählt, wie der neue Hausbewohner ihn als Messdiener sexuell missbraucht habe. Die Situation wird ungemütlich für die Männer.
Kindesmissbrauch, Kollaboration mit dem Militärregime Pinochets und das Wegnehmen von Babys armer Mütter, um sie reichen Paaren zu geben — die Verbrechen der Priester in diesem von der chilenischen Kirche eingerichteten safe house sind lang. Nach einem tragischen Ereignis wird ein junger, ehrgeiziger Abgesandter aus dem Vatikan geschickt, um sie zu verhören und die Wohngemeinschaft aufzulösen — allerdings ohne die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu erregen. Doch die Mission entwickelt sich anders als geplant.
Am Anfang zitiert »El Club« die Genesis: »Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis.« Larraín zeigt mit seinem Film, der mehrere wahre Begebenheiten zusammenführt, dass die Kirche ihre dunkelsten Kapitel immer noch nicht freiwillig ans Licht bringt.






