Bereits 2023 begann Anna Schütten sich in ihren Sound-Arbeiten mit der Erft auseinanderzusetzen. Sie stellte fest, dass die Unterwasseraufnahmen in dem aufgewärmten Fluss auch im Winter besonders vielfältig waren. »Flüstertechno Erft« nennt sie die sich rhythmisch zusammensetzenden Soundteppiche. Durch die Rückführung des infolge der Braunkohlegewinnung in Hambach erwärmten Wassers in die Erft siedelte sich bei geradezu subtropischen Wassertemperaturen unter anderem die Muschelblume an, die auch in Aquarien eingesetzt wird. Und auch ausgesetzte Aquariumsfische wie Guppys fanden hier ein Zuhause, was die heimischen Tier- und Pflanzenarten vor neue Herausforderungen stellt.
Die Wasserrückführung ist nur einer von vielen Eingriffen in die landschaftliche Umgebung der Erft, die sich seit über 2000 Jahren im Wandel befindet. Das Blei im Titel des Projektes, das Anna Schütten mit Kriz Olbricht ins Leben gerufen hat, verweist auf die bereits frühe Gewinnung dieses Schwermetalls durch die Römer in diesem Gebiet. Der Braunkohleabbau seit den 1950er Jahren sorgte für einen teils über 500 Meter niedrigeren Grundwasserspiegel und -mangel, der bis weit in die Niederlande reicht.
Das Duo möchte, dass zeitgenössische Kunst auch an Orte außerhalb der Ballungszentren gebracht wird und dort intervenieren. Sie luden 16 Künstler*innen und Kollektive aus dem In- und Ausland ein, sich performativ, filmisch oder installativ mit jeweils einem Ort an der Erft auseinanderzusetzen und insbesondere der Gestaltung der Landschaft durch den Menschen und den historischen Überlagerungen nachzuspüren. Das provozierte Fragen, was überhaupt Natur oder Landschaft ist und wie wir sie künstlerisch fassen können.
Während der fünf Wochenendtermine ab dem 27. Juni sind die größtenteils eigens für die entsprechenden Orte konzipierten Sound-Walks und -Performances, Audio-Installationen und Videoarbeiten in Euskirchen, Erftstadt, Kerpen, Bergheim, Bedburg und Grevenbroich zu erleben. Der Erftverband stellt als Kooperationspartner einen sonst für Aufklärungsarbeit genutzten Anhänger für die Aufführung der Filme zur Verfügung. Die Installationen sind während der gesamten Laufzeit von Juni bis September zu sehen.
Sa 11.7. Erftstadt/Kerpen, 15–20 Uhr, Infopunkt am Naturparkzentrum Gymnicher Mühle
Weitere Termine: muub.info







