Seit mehr als einem Vierteljahrhundert gibt es das Duo Urlaub in Polen, mit »Objects, Beings & Parrots« ist Anfang des Jahres das siebte Album erschienen — und noch immer lassen Multiinstrumentalist / Sänger Georg Brenner und Schlagzeuger / Produzent Jan Philipp Janzen die Krautrockmaschine rollen: Stoisch-teutonische Beats, repetitive, hypnotische Riffs mit reduzierter Harmonik, Synth-Eskapaden, understateter, spärlich platzierter Gesang, aber immer wieder auch spannungsentladende, rockig-psychedelische Ausbrüche prägen das neue Album. Eine äußerst physische Musik, die vor allem live ihre ganze Kraft entfaltet. Jan Philipp Janzen hat ein bisschen aus dem Nähkästchen geplaudert: Wie haltet ihr es schon so lange miteinander aus? Unsere jeweiligen Neurodivergenzen ergänzen sich hervorragend. Wir haben keine persönlichen Probleme miteinander. Das ist super selten. Auch diese Mischung aus Profilierungsdrang und Paranoia gibt es bei uns nicht, keiner fühlt sich übervorteilt.
Wir hatten ja eine Pause von fünf Jahren und haben unter anderem deshalb wieder angefangen, weil wir gemerkt haben, dass wir uns gar nicht mehr sehen. Eure Musik speist sich aus mannigfaltigen Einflüssen. Wie entscheidet ihr, was reindarf und was draußen bleiben muss? Georg ist stilistisch sehr offen, ich habe leichte Tendenzen zum Musikfaschismus und achte auf das stilistisch einwandfreie Moment. Ich merke aber, dass ich da ein bisschen zu angepasst vorgegangen bin. Es ist schade, dass ich nicht mehr auf die fehlende Informiertheit von Georg vertraut habe. Bei der letzten Platte habe ich mehr zugelassen, aber ich bin da schon neurotisch. Am Ende fühlt sich aber jeder gesehen.
Mit der aus dem abgeklärten Rahmen fallenden Akustikballade »Jakie’s Love Theme« hattest du kein Problem? Georg hat mir das fast ängstlich geschickt — kann man das so machen? Ich fand es von Anfang an super, auch weil ich da so Referenzpunkte erkannt habe, zum Beispiel 2000er-Motorpsycho. Außerdem hat er es meinem zu dem Zeitpunkt neugeborenen Sohn gewidmet — da war’s um mich eh geschehen. Strebt ihr eigentlich eher Gegenwärtigkeit oder Zeitlosigkeit an? Wir leben durch und durch in der Postmoderne. Ich unterrichte auch Pop-Produktion an der Uni und kann das mit den jungen Leuten abklopfen. Gegenwart gibt es nicht mehr, alles geht und für alles gibt es eine Szene.







