Kenan Axhami war fünf Jahre alt, als er zum ersten Mal in den Räumen des Kölner Appells gegen Rassismus vorbeischaute. »Ich war damals fast jeden Tag hier«, erzählt der 25-Jährige, der im Kosovo geboren wurde. »Hier bin ich aufgenommen worden, hier habe ich Deutsch gelernt.« Dass der Kölner Appell auch heute noch eine wichtige Anlaufstelle für jugendliche Migranten ist, ist nicht zu übersehen. Alle paar Minuten klopft es an Klaus Jünschkes Bürotür, steckt ein Jugendlicher den Kopf herein, fragt wahlweise nach dem Telefon, dem Fußball oder will einfach nur »Hallo« sagen.
In diesem Jahr feiert der Verein Geburtstag. 1983 enstand aus einer bundesweiten Unterschriftensammlung zunächst das Komitee »Kölner Appell gegen menschenfeindliche Ausländerpolitik«, 1987 wurde dann ein eingetragener Verein gegründet. Seither setzt man sich für die Rechte von Flüchtlingen und Migranten und gegen Rassismus in Köln und dem ganzen Bundesgebiet ein.
Jünschke sitzt im Vorstand des Vereins. Seit fast 25 Jahren ist der 66-Jährige beim Kölner Appell dabei. Im Kern gehe es um zwei Dinge, erklärt er. Zum einen um konkrete Hilfe im Alltag: Es gibt eine Hausaufgabenhilfe für Kinder aus Flüchtlingsheimen, eine Übermittagsbetreuung und eine Gesprächsrunde für inhaftierte Jugendliche in der Justizvollzugsanstalt in Ossendorf. Für Erwachsene gibt es Asyl- und Sozialberatung und eine Lebensmittelausgabe für Bedürftige. Mehr als 40 freiwillige Helfer seien regelmäßig dabei, erzählt Jünschke.
»Wir wollen aber auch nach außen hin präsent sein«, sagt er. Der Appell organisiert Podiumsdiskussionen, Ausstellungen und Demonstrationen, bringt Sammelbände über den Zusammenhang zwischen Rassismus und Kriminalisierung heraus. Der Kölner Runde Tisch für Flüchtlingsfragen entstand auf Initiative des Appells, und als 2002 der Express seine »Klau-Kids-Kampagne« gegen jugendliche Roma fuhr, legt man eine Be-schwer--de beim Presserat ein.
Der politische Kampf steht für Jünschke im Zentrum. »Solidarität reicht nicht aus. Die Arbeit heißt für mich auch: Gesellschaft verändern. Wir müssen schauen, warum die Situation der Menschen so ist, dass sie keinen anderen Ausweg als die Flucht sehen.« Die Bekämpfung der Ursachen spiele hierzulande keine Rolle, schimpft er. »Klar, Deutschland ist ja auch drittgrößter Waffenexporteur der Welt. Und mit Agrarsubventionen sorgt man dafür, dass EU-Bauern günstiger verkaufen können als afrikanische Bauern«, sagt Jünschke. Und ist im nächsten Moment dann doch wieder bei den Menschen, die die Flucht bereits hinter sich haben und auf ihren Asylantrag warten. »Die Menschen brauchen eine Perspektive, die ihren Wünschen entspricht. Nicht unseren.«
Auch Kenan Axhami wünscht sich eine Perspektive. Als Jugendlicher ging er mit seiner Familie zurück in den Kosovo. 2012 kam er zurück, und wartet seither auf Asyl. »Ich würde gerne eine Ausbildung machen, aber mein Schulabschluss wird nicht anerkannt.« Nun wird er geduldet und lebt in einem Wohnheim in der Südstadt. Zum Appell geht er immer noch regelmäßig. »Egal, ob ich Probleme mit dem Ausländeramt habe oder einfach nur reden möchte. Die sind für mich da.«






