Geteilte Erinnerungen

Das Odeon stellt bemalte Kinotickets eines Stammgasts aus

Für die Südstadt ist das Odeon nicht allein ein Kino, sondern auch ein Café mit Garten, wo man sich gern vom Gebrassel auf der Severinstraße ausruht. In diesem Sommer gibt es dort eine ebenso besondere wie liebevoll kuratierte Ausstellung zu sehen. Anlässlich des 15. Geburtstags des Seniorenkinos wird das Schaffen eines Stammbesuchers gewürdigt: Zu bewundern gilt es Kinotickets, deren Rückseiten der Kölner Rolf Leber mit einem Motiv aus dem jeweiligen Film bemalt hat.

Zu den am wenigsten beachteten Aspekten der Filmgeschichte, deren Bewahrung und Erzählung, gehören die Liebesmühen vieler Kinofreunde, die ihre Leidenschaft systematisch dokumentieren, sich ihre eigenen Gedanken zum Gesehenen und Gehörten machen. Die handfesten Folgen reichen von der Sammlung von Eintrittskarten und Zeitungsausrissen über Fanpublikationen bis hin zu Notizbüchern, vollgeschrieben mit Beobachtungen und Meinungen. 

So etwas Originelles und handwerklich Feines wie Rolf Lebers Eintrittskartenbilder findet sich allerdings nur selten. Der pensionierte Versicherungskaufmann folgt mit seiner Gattin seit etwa 13 Jahren konzentriert dem Odeon-Programm, vor allem dem Seniorenkino, aber auch Einzelveranstaltungen wie etwa der Vorführung der Hänneschen-Sitzung von 2021. Nach jedem Besuch wird dann die Rückseite der Eintrittskarte mit einem Bild verziert; gearbeitet wird dabei meist mit Gouache, selten auch mal mit Tusche oder anderen Techniken. Wobei Leber nicht aus der Erinnerung malt: Er sucht sich aus dem Internet eine Vorlage, die er dann interpretiert. Zu sehen sind oftmals Filmfiguren bzw. deren Darsteller, aber auch Schlüsselmotive. Für Aron Lehmanns »Was man von hier aus sehen kann« wählte er etwa das Okapi, eine Giraffenart, von dem im Film Oma Selma träumt, wenn bald jemand stirbt.

Die Ausstellung ist ein Herzensprojekt des Odeon-Teams. Die Initialzündung kam durch Julia Jesionek, einer Künstlerin und Animationsfilmemacherin, die lang im Kino arbeitete, und begeistert war, als Rolf Leber ihr seine Schätze zeigte. Die Auswahl der Bilder und deren fabelhafte Rahmung und Hängung übernahmen die Lebers gemeinsam mit Peter Steinmetz und Joachim Kammer. Kinoleiter Martin Roelly demonstrierte schließlich nicht nur den nötigen langen Atem, sondern auch die Liebe zum Detail, was in diesem Fall heißt: Zur Ausstellung wurde eine eigene Postkartenedition realisiert. Das ist Kinokultur.

Mach mit: Gemeinsam sichern wir unabhängigen Journalismus für Köln!
→ Ja, ich abonniere die Stadtrevue!
→ Ja, ich erwerbe einen Anteil der Stadtrevue-Genossenschaft!


Tagnacht – Kölns Gastro-Guide. Essen, Trinken, Ausgehen in Köln: alle Küchen, alle Veedel! Hol dir ein Abo und erhalte als Prämie die tagnacht 2025/26 gratis dazu. 

Stadtrevue abonnieren →

Alle Prämien ansehen →

Unsere Magazine

tagnacht – Kölns Gastro-Guide: Essen, Trinken, Ein­kaufen, alle Küchen, alle Veedel, die besten Adressen der Stadt. 
ansehen / bestellen →


Raum 5 – Der Design Guide für Köln/Bonn: Neues und Schönes, Porträts und Tipps sowie 300 Design-Adressen. 
ansehen / bestellen →


alma — Das Kölnmagazin für Studis: Alles, was wichtig ist für den Durch­blick an der Uni und das Leben in der Stadt.
ansehen / bestellen →


kurzundklein – Ein ganzes Jahr Köln mit Kindern: Akti­vi­täten und Aus­flüge, Familien­politik, Stadt­leben, Adressen. 
ansehen / bestellen →


weiter! — Aus- und Weiter­bil­dung in Köln und der Region: Der Pocket-Guide mit rund 200 Adressen und vielen nütz­lichen Infos.
ansehen / bestellen →