Zwei Schwestern auf der Flucht und ein Pferd mit einem Namen, der wie das englische Wort für »Bildzeichen« klingt: »Gliff« von Ali Smith ist kein gewöhnliches Young-Adult-Buch. Die Eltern von Briar und Rose sind in einem totalitären Großbritannien zu »Unverifizierbaren« geworden — interniert oder deportiert. Ihre Grundstücke werden mit roter Farbe markiert und schließlich planiert. Warum genau, weiß man nicht.
Vielleicht hat es mit den Umweltsünden des Düngemittelfabrikanten zu tun, für den ihre Mutter gearbeitet und die sie schließlich öffentlich gemacht hat. Auf der Flucht verstecken sich die beiden Schwestern und stoßen auf eine Herde Pferde, die geschlachtet werden sollen. Eins von ihnen — Rose tauft es »Gliff« — retten sie.
Das Pferd wird zu einem der vielen Symbole, mit denen Smith Wege aus Konformismus und Totalüberwachung andeutet. Die Neugier und Belesenheit von Rose und Briar helfen ihnen, die Dystopie um sie herum zu navigieren. Anstatt sich den Ängsten des Hörensagens und seinen vermeintlichen Unausweichlichkeiten hinzugeben, entdecken sie die Vieldeutigkeit als Mittel der Weltgewandtheit. Smiths Prosa zeichnet diese Welt nur in ihren Konturen und vervielfältigt mit Wortspielen den Reichtum ihrer Sprache.
Luchterhand, 304 Seiten, 25 Euro







