Zwei Domschweizer in ihren roten Gewändern stehen am Eingang zur Kathedrale. Besucher strömen an ihnen vorbei, es ist viel los an diesem Dienstagvormittag im April, wie eigentlich immer, schließlich ist das hier das meistbesuchte Bauwerk Deutschlands. Geduldig zeigt der ältere der beiden Domschweizer einigen Teenagern auf dem Smartphone, wie sie zur gesuchten Stelle im Dom gelangen. Um den Hals trägt er eine hölzerne Sammelbüchse, doch nur selten steckt jemand eine Münze hinein.
Drinnen verteilen sich die Besucher im Kirchenschiff, sie machen Handyfotos vom Richter-Fenster, vom Dreikönigsschrein oder von der Schmuckmadonna. Bei ihr kann man Kerzen aufstellen, zwei Opferstöcke stehen davor, an einem kann man digital zahlen. Über die Website kann man auch aus der Ferne spenden, dann übernimmt ein Domschweizer das Anzünden der Kerze.
Das ist dann wie bei einem MuseumDom-Besucherin aus Berlin
Doch all das Spendensammeln reicht nicht mehr: Dem Dom geht das Geld aus. Ab Juli müssen Besucher deshalb eine »touristische Besichtigungsgebühr« zahlen, die Höhe steht noch nicht fest, aber dem Vernehmen nach könnte der Betrag zweistellig sein, einen Sozialtarif soll es aber auch geben.
Dass die Kirche viel Geld habe, treffe auf den Dom nicht zu, so Domprobst Guido Assmann. Als eigenständige Körperschaft öffentlichen Rechts, vertreten durch das Domkapitel, verfügt die Hohe Domkirche über einen eigenen Finanzhaushalt mit Einnahmen und Ausgaben. Das Geld für den Unterhalt des Doms stammt vor allem vom Zentral-Dombau-Verein, dem Erzbistum Köln, dem Land NRW und aus den Eintrittsgeldern für Schatzkammer und Turmbesteigung sowie Spenden. Doch dieses Geld reiche nicht mehr aus, so Assmann. Die Kosten für Personal, Material und Energie steigen auch bei der Kirche. Derzeit koste der Unterhalt des Doms 44.000 Euro täglich. Schon lange habe man im Domkapitel über ein Eintrittsgeld diskutiert, so Assmann — »und immer betont, dass der Besuch kostenfrei bleiben soll, so lange es irgendwie möglich ist.« Und man habe »das letzte Mittel erst im letzten Moment ergriffen.« Zudem sollen Gottesdienstbesuche, das Aufstellen von Kerzen oder Stilles Gebet weiter »uneingeschränkt möglich sein«.
Was sagen die Besucher dazu? »Wir können uns das leisten, aber viele andere Rentner nicht«, meinen zwei Frauen mit Kurzhaarschnitt und getönter Brille, die gerade den Dom besichtigt haben. Sie sind aus Berlin angereist und verbringen vier Tage in der Stadt, auf ihrem Programm stehen noch das Schokoladenmuseum, die Altstadt, eine Brauhaustour sowie ein Musicalbesuch. Dass alles Eintritt koste, seien sie aus Berlin gewohnt, sagt die eine. Auch um den Berliner Dom zu sehen, muss man inzwischen zahlen. »Das ist dann wie bei einem Museum.«
»Sehr gut« findet ein Herr aus Nürnberg, dass der Dombesuch künftig Eintritt kostet. Man könne nicht erwarten, alles gratis zu bekommen. Die Kathedrale zu erhalten, sei nun mal teuer. »Wer das Geld hat, nach Köln zu reisen, kann sich auch ein Ticket für den Dom leisten.« Seine Frau nickt. Zu hoch dürfe die Gebühr aber auch nicht sein! Acht Euro, das hielten sie für angemessen. Alles darüber sei zu viel.
Frage an die Domschweizer: Steht hier, wo sie nun die Besucher hereinlassen, bald ein Kassenhäuschen? »Das wissen wir noch nicht«, sagt der eine, und dass er die Pläne für den Eintritt nicht gut finde. Ab Juli, glaubt er, werde es für ihn und seine Kollegen schwierig. Wer will wirklich zur Messe? Wer will sich um den Eintritt herummogeln? Er stellt sich auf Diskussionen ein, »vor allem mit den Kölnern«.
Aber was bedeutet der Eintritt im Dom für den Tourismus? Stimmt es, dass bei Städtereisenden das Geld locker sitzt? »Eine Eintrittsregelung kann individuelles Besuchsverhalten beeinflussen«, sagt Stephanie Kleine Klausing, Geschäftsführerin bei Kölntourismus gleich gegenüber dem Dom. »Bei moderater Ausgestaltung erwarten wir jedoch keine grundlegenden Auswirkungen auf die Attraktivität Kölns im Wettbewerb um Städtereisende.« Jetzt Eintritt zu nehmen, sei »kein Sonderfall, sondern Teil einer breiteren Diskussion darüber, wie stark frequentierte Kulturgüter langfristig erhalten werden können.« Aus touristischer Sicht sei entscheidend, dass die Gebühr »moderat ausgestaltet und transparent begründet wird«. Die Akzeptanz, so Kleine Klausing, hänge jedoch »weniger an der konkreten Summe als an der Nachvollziehbarkeit der Maßnahme«.
Eine Möglichkeit, den Eintritt zu sparen, ist es, Mitglied im Zentral-Dombau-Verein zu werden, dem größten Geldgeber für den Bauerhalt. Nur zwanzig Euro kostet das im Jahr. »Dafür kommt man nicht ein einziges Mal in den Kölner Zoo, aber zu den Öffnungszeiten ein Jahr lang unbegrenzt in den Kölner Dom«, sagt Domprobst Guido Assmann. »Wir meinen: Das ist fair.« Seit das bekannt wurde, hat der Zentral-Dombau-Verein prompt 500 neue Mitglieder. Von der Möglichkeit, einen höheren Betrag zu zahlen, machen die allerdings kaum Gebrauch, ist zu hören.







