Tolle Leistung: Der Kölner Stadt-Anzeiger hat in einem aktuellen Mordfall eine heiße Spur aufgetan. Und die führt direkt zum Rom e.V. Das ist der Kölner Verein, der sich seit 40 Jahren für die Bürgerrechte von Sinti und Roma einsetzt. Der Artikel vom 26. Juni trägt die Überschrift: »Mordverdächtiger vorbestraft und trotzdem geduldet«. Und weiter heißt es: »Vor zehn Jahren sollte der Mazedonier abgeschoben werden, doch ein Kölner Verein setzte sich für ihn ein.« Als Autoren werden Detlev Schmalenberg und Axel Spilcker genannt. Drei Tage vorher war dieser Artikel fast wortgleich schon einmal erschienen, auf Focus Online. Nur die Überschrift war eine andere: »Seit 33 Jahren geduldet: ›Roma e.V.‹ (sic!) setzte sich für kriminellen Foltermord-Verdächtigen von Köln ein.« Als Autor wird hier nur Axel Spilcker genannt.
Was ist passiert? 2017 hatte sich der Rom e.V. an die Härtefallkommission des Landes NRW gewandt, um die Abschiebung einer Familie aus Skopje zu verhindern. Ein Großteil der Familie ist taub, in Nordmazedonien wäre die nötige Unterstützung nicht gewährleistet. Die Härtefallkommission fand die Argumente überzeugend und unterstützte den Antrag. Dass der Vater der Familie bereits zweimal wegen Diebstahls zu Geldstrafen verurteilt war, wussten damals weder der Rom e.V. noch die zuständigen Ausländerbehörden oder die Härtefallkommission. Das lag wohl daran, dass die beiden Strafen geringer waren als 90 Tagessätze, der Mann galt damit nicht als vorbestraft. Weil es sich bei der Härtefallkommission um keine Hellseherkommission handelt, ahnte damals auch niemand, dass gegen den Vater und einen der Söhne zehn Jahre später wegen eines aktuellen Mordfalls ermittelt werden würde. Dabei geht es nun um einen 93-jährigen Rentner, der Anfang Mai in seiner Wohnung in Köln überfallen, gefoltert und ermordet wurde.
Dass der Focus diesen Artikel veröffentlichte, ist wenig überraschend, denn der passt zur stramm rechten Linie des Blatts. Aber warum hat der Kölner Stadt-Anzeiger den Text nachgedruckt? Liegt es daran, dass die Stimme von Hedwig Neven DuMont, der Witwe des verstorbenen Stadt-Anzeiger-Verlegers Alfred Neven DuMont, im Verlag kein Gewicht mehr hat? Die Ehrenbürgerin der Stadt Köln engagiert sich seit vielen Jahren für den Rom e.V.







