Zwei Männer sitzen sich in einer Badewanne gegenüber, beide scheinen in ihre Gedanken versunken zu sein, einer raucht eine Zigarette. Dieses szenische Motiv in gedeckten Farbtönen und realistischer Malweise befindet sich unübersehbar über den Köpfen der Vorbeieilenden am Friesenwall. Es ist inmitten des Alltagstrubels der Stadt eine intime Szene, die dem Leben um es herum entrückt wirkt.
Das riesige Mural des Künstlerduos APHENOAH zieht die Blicke auf sich. Oliver Hollatz alias aphe und Noah Kauertz begannen 2019 zusammen zu arbeiten. Die großformatigen Wandbilder der beiden sind längst in vielen Städten präsent. Ihr Stil verbindet Elemente des Realismus mit der Direktheit der Streetart. In ihren Arbeiten greifen sie den Charakter des urbanen Raums auf und lassen Eindrücke, Stimmungen und Dynamiken der Umgebung in die Kunstwerke einfließen.
Das Mural am Friesenwall ist inspiriert von einem Filmstill aus »God’s Own Country« (2017). Es ist der Schlüsselmoment des Films, die beiden Männer zeigen sich hier verletzlich und in ihr Inneres zurückgezogen. Es ist detailreich gemalt mit einem Blick für Körpersprache und Zwischentöne. Ziel von APHENOAH war es, ein Bild neuer Männlichkeit im öffentlichen Raum zu platzieren. Es ist die Vorstellung, dass Männlichkeit nicht auf Dominanz und Macht beruhen sollte, sondern auch eine andere Seite mit Zweifeln, Sanftheit und Intimität zeigen darf. Es erinnert uns, wie viel Poesie in einem unscheinbaren Moment auch zwischen Männern liegen kann. Das Bild mit der ruhig dargestellten Szene will nichts erklären, nicht belehren oder gar provozieren. Auftraggeber war Georg Barringhaus, der bereits zahlreiche Projekte im Umfeld des CityLeaks-Festivals umgesetzt hat. Das Festival ist in Köln seit Jahren eine feste Größe, wenn es um Kunst im öffentlichen Raum geht. Die Mittel für die Fassadenmalerei wurden von der Stadt akquiriert. Damit steht das Werk nicht nur künstlerisch, sondern auch institutionell im urbanen Gefüge.
Diese Art des Murals sind mehr als nur Dekoration, mehr als nur Ästhetisierung der grauen Tristesse der schnelllebigen Stadt. Sie verändern den Blick auf eine Straße, sie geben einem Gebäude eine neue Identität und schaffen Orte, die im Gedächtnis bleiben. Zwischen Graffiti, Verkehr und Alltagshektik öffnet sich auf der Fassade des Friesenwall 23 durch das ruhige und verzaubernde Bild eine andere Welt.







