Tief im Inneren der Deutzer Brücke, dort, wo dröhnendes Verkehrsrauschen auf Strömungsgeräusche des Rheins trifft, entsteht im September wieder ein temporärer Resonanzraum, der diesen sonst unzugänglichen Teil der Stadt als Ort der Klangkunst erfahrbar macht.
Ausgangspunkt dieser Öffnung war eine Intervention des US-amerikanischen Künstlers Bill Fontana 1985. Im Rahmen eines WDR-Hörspiels verwandelte er den verborgenen Hohlraum der Brücke erstmals in einen Klangraum. An der Realisierung war auch der Komponist Peter Behrendsen beteiligt, der zehn Jahre später die »Brückenmusik« gründete, die sich seither zu einer der renommiertesten jährlichen Konzertreihen akustischer Kunst entwickelt hat.
Die Brückenmusik zählt zu jenen Formaten, deren Kontinuität aus der Beharrlichkeit künstlerischen Experimentierens hervorgeht — mit akustischen wie medialen Interventionen, die Klang nicht als autonomes Werk, sondern situatives Ereignis begreifen. Die Rheinbrücke selbst wird zum Resonanzkörper. Mit ihren Vibrationen und Nebengeräuschen trägt sie eine eigene Widerständigkeit in sich, auf die die Klangkunst reagieren muss. Zahlreiche Sound Artists und Komponist*innen haben sich in den letzten Jahren auf das Unvorhersehbare dieses Raums eingelassen — mit ortsspezifischen Klangarchitekturen, intermedialen Transformationen oder kompositorischen Versuchsanordnungen.
Für die 31. Ausgabe der Brückenmusik werden die drei Hohlkörper erneut für nur wenige Tage bespielt. Der US-amerikanische Noise-Musiker Chris Shields und der britische Videokünstler Ed Atkins, der seit dem vergangenen Jahr die Professur des verstorbenen John Morgan an der Kunstakademie Düsseldorf vertritt, verbinden unterschiedliche Perspektiven. Die beiden Künstler, die bereits beim Organ Sound Art Festival in Kopenhagen zusammenarbeiteten, entwickeln mit »Advice« eine kinematografische Installation.
Sie führen die Auseinandersetzung mit Klang, Raum und den Bedingungen der Wahrnehmbarkeit als ästhetischer Ressource fort und untersuchen, wie das Räumliche filmisch erfahrbar wird. Licht und Schatten, Architektur, Bewegung und Zeit werden ebenso zum Material wie akustische Eigenheiten. Damit knüpft die Arbeit zugleich an Fontanas initiale Geste an, das Verborgene dieses Ortes freizulegen und als ästhetischen Möglichkeitsraum in Szene zu setzen.







