Was passiert, wenn multiple Krisenlagen auf empfindsame GenZ-Gemüter treffen? Na klar, sie fühlen sich »lost«, maximal verloren. Natürlich keiner auf die gleiche Weise.
Vier Perspektiven haben die Regisseure Björn Gabriel und Amineh Arani in rasende innere Monologe verwandelt und auf einer Bühne in die knallende Buntheit der Medien-Gegenwart versetzt. Da ist »Amineh 1« (Anna Möbius), beruflich erfolgreich, aber gefangen in Leistungsdruck und Einsamkeit, in einer Welt »in der dich jeder feiert, solange du nur eine Rolle spielst«. Da ist »Amineh 2«, die nur auf Leinwand erscheint, gespielt von Amineh Arani aus dem Iran, die auf der Flucht vor einem repressiven Regime im Exil keinen Lebensansatz findet: »I dont want to be eternal, I just want to exist.« Und da ist »Amineh 3« (Katharina Speelmans), queer liebend, die zwischen äußerer Zuschreibung und innerem Begehren taumelt, »Zusammenhang ist das Problem«.
Das gilt teilweise auch für diesen Abend: Auf die komplexe, rasend schnell geratterte Sprache muss man sich einlassen, die Zuschauerin fühlt sich hier erstmal selbst verloren. Dann entfalten sich doch wuchtige Wahrheiten: Warum ist es so schwer, seinen Platz zu finden — und was spielt das überhaupt für eine Rolle im kurzen irdischen »Spiel auf Zeit«?
Über allem thront auch noch ein Hater (Lucas Rosenberg) im dreifachen Split-Screen, frustriert verstrubbelt, der die drei Frauen digital verfolgt. Schön, wie sie auch mal in Selbstironie ausbrechen, die Gedankenströme als Selbstmitleid markieren: Vier »Losties« auf der Suche nach Schuldigen, verheddert im »Loop des Scheiterns«, den sie auch noch ständig wiederholen. Alles ist schon gedacht und gesagt worden. Dabei ist es doch ganz einfach: »Wer weiß, was wehtut, weiß auch, was Moral ist«, heißt es da wie im Aphorismen-Handbuch. Sinnvolles Leben bedeutet, sich nicht selbst permanent in den Mittelpunkt zu stellen.
Doch zu dieser einfachen, aber mehrfach durchbrochenen Einsicht kommen sie nicht, verzweifeln eher — wer kann es ihnen verdenken. Was tun? Einfach die nächste Generation auftreten lassen. Auf der Leinwand werden nun süße Kindergartenkinder eingeblendet. Mit unverdrossener Fröhlichkeit formulieren sie klare Sinngebung: Spielen. Strand. Spaghetti. Ob wir damit weiterkommen? Für das etwas kryptische Stück »Lost« muss man sich öffnen wollen — und wird mit Tiefe belohnt.
Studio Trafique, 29.–31.5., 20 Uhr






