Ariane schreibt einen Brief in die Zukunft. Im Jahr 2042 wird ihre Tochter 18 Jahre alt sein, dann soll sie ihn lesen. Um so von ihrer leiblichen Mutter zu erfahren, warum sie sich entschieden hat, ihr Kind zur Adoption freizugeben.
Die Teenager-Mütter Ariane, Jessica, Perla und Julie leben in einem Mutter-Kind-Heim in Lüttich. Sie alle schauen auf eine traumatische Kindheit zurück, haben Erfahrungen mit Vernachlässigung, sexualisierter Gewalt und Drogenmissbrauch gemacht. Nun kämpfen sie darum, wieder Boden unter den Füßen zu bekommen. Und darum, dass ihre neu geborenen Babys es einmal besser haben werden als sie.
In nur auf den ersten Blick lose wirkenden Handlungsbögen folgen die Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne den vier Teenagern bei ihren mühsamen Versuchen, in die neue Rolle hineinzuwachsen und eine Perspektive für sich und ihr Baby zu finden. Dabei folgen sie einem etwas stereotypen Schema. In jeder der miteinander verwobenen Episoden gibt es kleine Erfolge — der erste Ausgang mit Baby ohne Begleitung, die Zusage einer Wohnung —, aber auch bittere Rückschläge, bevor die jungen Mütter unter hoffnungsvollen Zeichen in eine ungewisse Zukunft entlassen werden.
Die ehemals drogenabhängige Julie hat in dem Vater des Kindes eine Stütze, doch der Rückfall in die Sucht schwebt wie ein Damoklesschwert über ihr. Perla verfolgt beharrlich ihren Traum von einer Kleinfamilie, bevor der aus der Haft entlassene Kindsvater überfordert abspringt. Jessica erwartet ihr Baby sehnsüchtig, doch das Gefühl, von der eigenen Mutter bei der Geburt nicht gewollt worden zu sein, stürzt sie immer wieder in tiefe Verzweiflung. Sie stellt der unbekannten Frau nach. Ariane wiederum muss sich gegen die Übergriffe und Manipulationen ihrer gewalttätigen Mutter wehren, die sie dazu gedrängt hat, das Kind auszutragen und mit ihrem Enkelkind ihr kaputtes Leben wieder aufzurichten versucht.
»Jeunes mères« führt immer wieder schwer zu durchbrechende Kreisläufe vor Augen, die Kontinuität von prekären Lebensumständen und emotionaler Instabilität, die Versuchung, die Probleme zu betäuben. Doch die präzisen, analytischen Inszenierungen, die die Dardennes in ihren besten Filmen zu scharfsinnigen Kritikern systemischer Zwänge gemacht haben, sind hier einem etwas schematischen Sozialrealismus gewichen.
F/B 2025, R: Jean-Pierre u. Luc Dardenne, D: Babette Verbeek, Elsa Houben, Janaïna Halloy Fokan, 105 Min. Start: 5.3.






