Job-Börse vor dem Crash

Der Vingster Treff und der Verein Frauen gegen Erwerbslosigkeit

haben den Auftrag für die Job-Börse für Frauen verloren

Natürlich haben die bisherigen Beauftragten tolle Arbeit geleistet. Wir haben immer gut mit der Bietergemeinschaft zusammengearbeitet. Aber es hat einfach das beste Konzept gewonnen«, sagt Silke Martmann-Sprenger, Pressesprecherin des Jobcenters Köln. Der Auftrag für die Job-Börse für Frauen, der seit elf Jahren vom Verein Frauen gegen Erwerbslosigkeit in Nippes und dem Vingster Treff in einer Bietergemeinschaft getragen wurde, ist zum Mai neu vergeben worden.

 

Den Zuschlag erhielt die Caritas mit ihren beiden Häusern in Kalk und Bickendorf. Geändert wurde außerdem das Konzept: Die Job-Börse für Frauen ist faktisch aufgelöst, alleinstehende Frauen und Migrantinnen erhalten keine spezielle Förderung mehr. Stattdessen wurde eine »Job-Börse für Alleinerziehende« ausgeschrieben.

 

Etablierte Job-Börse vor dem Aus?

 

Eine Entscheidung mit Tragweite: Karin Hofmann, Leiterin der Frauen gegen Erwerbslosigkeit e.V., musste vier ihrer Mitarbeiterinnen entlassen, bei Beate Mages im Vingster Treff fallen drei Stellen weg. Das neue Konzept hat auch Auswirkungen für die Klientinnen.

 

Andrea Winkel zum Beispiel ist gelernte Einzelhandelsverkäuferin und war mit 48 Jahren arbeitslos geworden. Die Arge vermittelte sie schließlich an die Frauen-Job-Börse nach Nippes. Hier nahm sie einmal in der Woche an einer Bewerbungswerkstatt teil und hatte regelmäßige Beratungstermine.

 

»Das hat mir unheimlich Halt gegeben«, sagt die Rodenkirchenerin. »Ich war oft deprimiert in dieser Zeit und hatte aus meinem Umfeld das Gefühl bekommen, ich wäre selber schuld an meiner Lage. Hier habe ich Frauen getroffen, denen es ging wie mir. Und meine Beraterin hat meine neue Arbeitsstelle gefunden, als ich eigentlich gar keinen Termin hatte.« 

 

Auf diese Art der vertrauten Atmosphäre müssen Frauen wie Andrea Winkel in Zukunft verzichten, in den neuen Job-Börsen der Caritas in Kalk und Bocklemünd werden nun nur noch Alleinerziehende betreut. »Dabei ist es gerade für Migrantinnen so wichtig, diesen geschützten Raum zu haben«, erklärt Karin Hofmann. Viele von ihnen, die faktisch alleinerziehend sind, würden das nach außen nie eingestehen und somit auch das neue Angebot nicht in Anspruch nehmen. »Außerdem bleibt die Frage, ob sich Frauen mit Zuwanderungshintergrund einfach an eine katholische Einrichtung wenden werden.«

 

Fest steht, dass bei der Vergabe der Gelder die langjährige Erfahrung und Fachkompetenz der Teams in Nippes und Vingst keine Rolle gespielt haben. »Danach wurde in der Ausschreibung gar nicht gefragt«, so Hofmann. Beide Einrichtungen hatten sich über viele Jahre einen guten Ruf und das Vertrauen ihrer Klientinnen erarbeitet, die Kompetenzen der Mitarbeiterinnen stetig ausgebaut.

 

Ausschreibung nach neuen Richtlinien

 

Die zeitlich begrenzten Ausschreibungen erfolgen nach Bundesrichtlinien. Als 1998 die erste Job-Börse für Frauen vom Vingster Treff eröffnet wurde, erfolgte die Vergabe noch nach einem Auftrag der Agentur für Arbeit. »Die Beauftragung einzelner Träger war gerade für die Zielgruppen-Job-Börsen viel sinnvoller«, findet Ossi Helling, sozialpolitischer Sprecher der Grünen.

 

»Damals ist eine blühende Zusammenarbeit zwischen dem Jobcenter und freien Trägern entstanden und zwischen kleinen und größeren Trägern gab es eine Art Solidargemeinschaft, man hat sich die Aufträge aufgeteilt.« Jetzt habe es gar keine Ausschreibung für die Zielgruppen-Job-Börsen gegeben, sondern eine große für die Job-Börsen allgemein, aufgeteilt auf sieben Lose. Das habe ehemaligen Partnern einen Marktmechanismus aufgezwungen.

 

Der jetzige Zuschlag ist für elf Monate ausgeschrieben. Eine sehr kurze Zeit für den neuen Anbieter, sich einzuarbeiten und das Vertrauen der Kundinnen zu erwerben. Das Caritas-Haus in der Bertramstraße in Kalk macht da als Standort noch etwas mehr Sinn als das linksrheinische Angebot an der Äußeren Kanalstraße.

 

»Man muss immer an den Alltag von Frauen mit Kindern denken. Die Wege dürfen nicht zu lang sein, damit sie zu ihren Beratungen kommen, und danach ihre Kinder von Schule oder Kindergarten abholen können. Oder sie müssen die Möglichkeit haben, die Kinder auch einfach mal mitzunehmen. Unsere Räume sind nach langer Erfahrung alle gendersensibel«, sagt Beate Mages. Sie und Karin Hofmann werden ihre Arbeit in Form von Beratungen und Kursangeboten weiterführen. Und hoffen, dass sie durch weitere Projekte ihre Kundinnen auch in Zukunft gut betreuen können.

 

Letztlich habe ein papiernes Projekt hier den Auftrag bekommen und nicht langfristige, erfolgreiche Arbeit, sagt Ossi Helling. »Wir müssen in Zukunft unbedingt mit weiteren Aufträgen dafür sorgen, dass diese kleinen Träger ihre Betreuung fortsetzen können.« 

 

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