Geschichten, die ihr Leben schrieb, waren schon immer der Stoff von Comicautorin Alison Bechdel — vom ungeouteten Vater bis zum eigenen Fitnesswahn. Jetzt, in ihren Sechzigern, lebt sie mit ihrer Partnerin finanziell halbwegs abgesichert auf einer Farm in Vermont und plagt sich mit dem richtigen Leben im Falschen.
Bei der Gemüsegenossenschaft kaufen oder im Supermarkt? Mit dem Medienkonzern »Megalopub« zusammenarbeiten oder doch mit einem Indie-Verlag? Und dann sind da noch die Ohnmachtsgefühle wegen Rechtsruck, Klimawandel und dem ganzen Mist. Währenddessen wird ihre handwerklich talentierte Partnerin zum Youtube-Star, in einem befreundeten Wohnprojekt bildet sich nach dem Auszug der Kinder eine funktionierende polyamore Beziehung heraus und Bechdel kämpft wie in jedem Comicband damit, ihn fertigzustellen. Beim Überwinden der Schreibblockade hilft ihr die Lektüre von Karl Marx’ »Das Kapital«, das sich als Subtext durch »Kaputt« zieht — was etwas Tröstliches hat. Weil man die eigene Geschichte nur unter vorgegebenen Umständen macht, werden für Bechdel die alltäglichen Widersprüche und Macken zu einer liebenswerten Quelle für feinen Humor.
Reprodukt, 272 Seiten, 24 Euro






