»Love is a Battlefield« von Pat Benatar war ein Chart-Hit, den in den 1980er Jahren wohl die meisten Teenager mitsingen und unterschreiben konnten. Vor allem für junge Frauen und die queere Community erzählt er eine Geschichte über Selbstermächtigung und Gruppensolidarität.
Existenzielle Erfahrungen, die Helena Huneke in ihrer Kunst verhandelt hat. »My Bisexual War Memories« betitelte die 1967 geborene Künstlerin ein großformatiges Tuchbild, das 2001 entstand und in der Ausstellung »Der Plan« in der Galerie Drei zu sehen ist. Fünfzwanzig Jahre haben diesem fragilen Erinnerungsbild nichts anhaben können. Mehrere vertikale Stoffbahnen werden von Fäden zusammengehalten; sie gleichen den Seiten eines Tagebuchs, das flüchtige Erfahrungen festhält. Alles wirkt gleichzeitig elegant und schmutzig, absichtsvoll und doch beiläufig hingekritzelt.
In einem kurzen Statement zu ihrer Biografie erwähnte Huneke einmal die »Wichtigkeit von Beziehungen, Verwandtschaftsverhältnissen« zwischen Künstler*innen, beispielsweise zu dem Abstrakten Expressionisten Cy Twombly — ein Vertreter der Vätergeneration, der bei »My Bisexual War Memories« in ästhetischer Hinsicht Pate gestandenen hat. Manche Stoffe verarbeitete sie — in Anspielung an die traditionelle Ausstattung einer Braut mit Bett- und Tischwäsche — zu »Hochzeitsbildern«, die konkreten Personen gewidmet waren und nicht zum Verkauf standen.
Die »Wichtigkeit von Beziehungen«: Sie war auch ein Antrieb für die Gründung der Akademie Isotrop 1996, einer lockeren Formation von gut zwanzig Künstler*innen, aus der Shooting-Stars wie Jonathan Meese hervorgingen. Huneke war dieser Hamburger Initiative bis zu ihrer Auflösung im Jahr 2000 verbunden, als immer mehr Akteur*innen und schließlich auch Huneke selbst nach Berlin zogen. Die selbst organisierte »Akademie« war eine Absage an die konventionelle Lehre, wie sie nicht nur an der Hamburger Hochschule für bildende Künste praktiziert wurde. Huneke hatte dort zuerst Produktdesign studiert. Als Abschlussarbeit lieferte sie Skulpturen ab, deren Ausgangsmaterial ruinierte Stühle waren, die sie in New York auf der Straße gefunden hatte. Der Designpapst Dieter Rams, berühmt durch seine puristischen Entwürfe für die Firma Braun und damals Professor an der HFBK, soll darüber in eine Sinnkrise geraten sein.
Ich zerreiße das, was ich liebeHelena Huneke
Nein, Produktdesign war nicht das, was Helena Huneke anstrebte. Auch nicht als bildende Künstlerin. Das hat die Zusammenarbeit mit dem Kunsthandel manchmal schwierig gemacht; es heißt, dass sie Ausstellungstücke gelegentlich wieder zurückzog. Für die Galeristen Dennis Hochköppeler und Jakob Pürling ist es das erste Projekt überhaupt, das sie aus einem Nachlass entwickeln: »Das ist definitiv anders als sonst, wo man Atelierbesuche macht und über die Arbeiten spricht«, gesteht Hochköppeler, »wir müssen uns diesem Werk in Zirkeln annähern.«
Huneke hat eine Frage umgetrieben, die immer schon die Avantgarden beschäftigte: die nach dem Verhältnis von Kunst und Leben. Kann das Persönliche politisch bleiben und gleichzeitig zur Ware werden? Huneke wanderte zwischen den Welten. Sie transformierte ihre persönlichen Räume in ein »Wohnungsrestaurant«, in dem sie geladene Gäste bewirtete, und machte aus den Preisen ein Rätsel; gleichzeitig war sie mit ihren Arbeiten in angesagten Galerien präsent, schrieb für Zeitschriften und betrieb mit der Künstlerin Carola Deye einen Blog.
Titelgebend für die Ausstellung in der Galerie Drei ist ein weiteres Werk aus den frühen Nullerjahren: »Der Plan« (2002), ein in 24 Felder gegliedertes Tuchbild, das am rechten Rand in einen Faltenwurf mündet. Darin verbirgt sich ein glamouröses Porträtfoto einer prominenten Kollegin, Jutta Koether; ein anderes Feld nehmen die Fetzen einer Vivienne-Westwood-Werbung ein. »Ich zerreiße das, was ich liebe«, bekannte Huneke in einer Ausstellungsbesprechung und erklärte, dass sie »keine Lust auf Machtkämpfe habe; aber wer darauf Lust hat, der ist an der Macht«. Nach ihrem Tod 2012 ist ihr Werk selten zu sehen gewesen, aber nie ganz in Vergessenheit geraten. Das, was sie ihren »produktiven Widerstand« nannte, ist in ihren eigenwilligen Arbeiten erhalten geblieben.
Helena Huneke, »Der Plan«, DREI, Jülicher Str. 14, bis 17.1.2026; Mi–Fr 14–18 Uhr, Sa 11–16 Uhr






