Man muss es sich immer wieder ins Gedächtnis rufen: WhatsApp erlaubt die Nutzung erst ab 13 Jahren. Auf den Schulhöfen und in den Kinderzimmern sieht es nicht so aus, als wäre das bekannt. Smartphones sind Teil des Kinderalltags. Da hilft es wenig, dass sie während der Schulzeit meistens verboten sind.
Wer nicht Teil der wenigen Schulgemeinschaften ist, in der die Jüngeren freiwillig und kollektiv auf Smartphones verzichten, muss immer wieder abwägen zwischen den Bitten des Kindes und seinem Schutz vor Dopaminfallen, Mobbing, Manipulation, Gewaltdarstellungen, Pornografie und Extremismuspropaganda.
Derzeit wächst eine Generation heran, deren Eltern als erste diese Abwägung treffen müssen. Ihre Hilflosigkeit ist greifbar. Jugendinitiativen berichten von zahllosen Anfragen für Medienkompetenzkurse.
Schulen veranstalten Elternabende, Stadt und Land vermitteln Expert:innen. Doch das Angebot reicht nicht. Das Problem lässt sich nicht allein auf individueller Ebene lösen.
Weltweit sucht man nach dem richtigen Umgang mit digitalen Plattformen, deren Betreiber mit kurzlebiger Aufmerksamkeit Milliarden umsetzen. Großbritannien plant ein Verbot von sozialen Medien für Kinder unter 16 Jahren. Im Gespräch sind Tiktok, Instagram, Facebook, Reddit, Snapchat, X, Youtube und mehr. Die EU empfiehlt, europaweit nachzuziehen. Kanada verfolgt ähnliche Absichten. In Australien gilt ein solches Verbot bereits. Die Erfahrung dort: Kinder finden, wenig überraschend, Wege, die Verbote zu umgehen.
In Deutschland sprach sich der Ethikrat im Juni gegen ein pauschales Verbot aus. »Die Aufgabe ist, den hier notwendigen Schutz junger Menschen mit ihren digitalen Teilhabe- und Befähigungsinteressen in Ausgleich zu bringen«, so die Begründung. Heißt das also, Kinder haben ein Recht auf ein Smartphone?
»Es gibt viel Tolles im Internet«, sagt Nadine Eikenbusch von der Landesanstalt für Medien NRW. »Man kann sich unterhalten lassen, sich informieren, austauschen und Teil einer Gemeinschaft sein.« Ihr wichtigster Rat: Eltern sollen von Anfang an aufmerksam und ehrlich interessiert sein. So können sie Vertrauen schaffen. Dafür sind Ruhe und Zeit nötig, die im Alltag oft fehlen. Strenge Verbote helfen aber nicht: »Kinder sind nicht blöd, die finden einen Weg«, sagt Eikenbusch.
Ein, zwei Nachfragen pro Woche, ohne Vorwurf, das sei manchmal schon genug. »Das kann ganz schön sein. Lassen Sie sich von Ihren Kindern zeigen, was sie Kreatives erschaffen haben«, rät sie. Auch eine spannende Doku auf Youtube kann Anlass für ein offenes Gespräch sein.
Wie man den richtigen Zeitpunkt für ein Smartphone findet, kann Eikenbusch pauschal nicht sagen. Oft sei das aber ihrer Erfahrung nach der Übergang in die weiterführende Schule. Beschränkungen sind am Anfang sinnvoll. Vielleicht reicht erst einmal die SMS-Funktion statt Messenger-Diensten. Das kann zu Konflikten führen. Leichter falle es, wenn man sich mit Freundesgruppen abspreche. »Erklären Sie die Regeln, aber auch die Werte dahinter«, rät sie.
Eine Regel müsse aber immer gelten: Kinder müssen über alles reden können. Sie können im Netz, auf Social Media oder über Messenger Kontakt zu Fremden haben. Wer Kinder manipulieren will, setzt darauf, dass sie Angst haben, von Kontakten zu berichten, dass sie sich schämen, wenn sie persönliche Daten oder gar Bilder von sich preisgegeben haben. »Sagen Sie Ihrem Kind, dass Sie immer ein offenes Ohr haben, auch wenn etwas vorgefallen ist«, sagt Eikenbusch.
Für das ehrliche Interesse spricht ihrer Erfahrung nach auch ein weiterer Grund. Die meisten Eltern haben selbst Nachholbedarf. Sie lernen im besten Fall mit ihren Kindern auch den eigenen Medienkonsum zu reflektieren.
Wie man Falschinformationen, KI-generierte Inhalte oder Betrugsversuche erkennt, das wissen Jugendliche manchmal besser. Und auch die Regeln für die Zeit, die man gemeinsam verbringt, sollten für alle gelten. Eltern sollten sich klarmachen, dass ihr eigener Umgang mit dem Smartphone eine entscheidende Vorbildfunktion hat.
Diese betreibt auch ein Frageportal, das ohne Hilfe von KI individuelle Fragen beantwortet: www.fragzebra.de.
Angebote zu Mediensucht, Cybermobbing und sexualisierter Gewalt durch Bilder bietet die EU-Initiative klicksafe.de.
Das Bundesfamilienministerium betreibt u.a. den Elternratgeber schau-hin.info







