Die Kölner Kino Nächte Ende Mai erweisen sich als Füllhorn voller Erstaunlichkeiten (mehr dazu auch in der Juniausgabe). Innerhalb von zweiundsiebzig Stunden lassen sich hier unter anderem entdecken: »Karbid und Sauerampfer« (1963) von Frank Beyer, eine sozialrealistische DDR-Komödie über einen Nichtraucher, der im Nachkriegs-Dresden eine Zigarettenfabrik retten will, präsentiert vom Archiv Leo Schönecker; »A Dream Longer Than the Night« (1976) von Niki de Saint Phalle, eine surrealistisch-feministische Phantasmagorie mit gutmütigem Drachen und explodierenden Schwänzen, präsentiert vom Film Festival Cologne; »Bonsai Warrior« (2014) von Yō Umezaki, eine TV-Doku über die Weltreise eines nonkonformistischen Gartenkünstlers, präsentiert vom Japanischen Kulturinstitut; sowie »Polyester« (1981) von John Waters, die Camp-Version eines klassischen Hollywood-Melodrams, bei dem man während des Films nummerierte Felder auf einer Rubbelkarte aufreiben soll, um handlungsdienliche Düfte von Rosen, Pupsern oder Pizzen zu schnüffeln. Und ja, man bekommt vor der Vorführung tatsächlich aus Australien importierte Odorama-Karten-Nachschöpfungen gereicht! Im Vorprogramm läuft der leider geruchsarme Kurzfilm »Eclipse of the Sun Virgin« (1967) von George Kuchar. Diese Großtat ist Teil der Hommage des Filmclub 813 an die US-amerikanischen Meister des Außerordentlichen: John Waters und die Brüder George und Mike Kuchar.
In Stimmung für diesen Kinokarneval bringen einen in den Wochen zuvor im Filmclub 813 ein als Überraschungsfilm angepriesenes Erotikmelodram um einen anrüchigen Nachtclub in Freiburg, das von der realen Madame Besitzerin des realen Etablissements selbst gestaltet wurde, sowie »Fuego« (1969) von Armando Bó, eine krasse Ode an die Nymphomanie, ein Lieblingsfilm von John Waters, wie er selber im Vorfilm »John Waters Presents Movies That Will Corrupt You« erklären wird. Im Japanischen Kulturinstitut läuft »Thermae Romae« (2014) von Hideki Takeuchi, die Adaption eines Mangas über einen Badehaus-Baumeister zu Zeiten Hadrians, der durch ein Zeitloch ins heutige Japan gelangt. Dort findet er Inspiration für seine Arbeit und verknallt sich in eine Manga-Künstlerin. Mit so einem prallen und lebensfrohen Programm könnte es alle Monate des Jahres weitergehen.
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