Als »entwicklungspolitische Filmreihe« begann vor vierzig Jahren das Allerweltskino, bis heute zeigt der gleichnamige Verein jeden Dienstag im Off Broadway Filme aus dem Globalen Süden und aus anderen Filmkulturen jenseits der »westlichen«. Gefeiert wird der Geburtstag mit zwei besonderen Filmen. Im Off Broadway mit einem Klassiker des tunesischen Kinos, dem Spielfilm »Die Sonne der Hyänen« (1977) von Ridha Behi, der schon damals die Auswirkungen des Massentourismus’ thematisierte. Auf der Höhe des aktuellen Diskurses zeigt sich Wang Bings hochgelobter dreiteiliger knapp zehn Stunden langer Dokumentarfilm »Youth« (2003/04), der an zwei Tagen im Filmforum NRW läuft. Was die beiden Werke eint, sind solidarische Blicke auf jene, um die es politisch nie geht, und die schauen müssen, wie sie so durchkommen.
Wo wir schon in der einstigen Cinemathek sind: Dort wird im Rahmen der Reihe mit Filmen aus dem Archiv Schönecker der Krimikomödien-Klassiker »The Lavender Hill Mob« (1951) gezeigt — in seiner BRD-Synchronfassung mit dem Titel »Das Glück kam über Nacht«. Dialogregisseur Edgar Flatau war einer der vielen interessanten Figuren des frühen BRD-Kinos. 1936 verließ er Nazideutschland Richtung England, als er nach 1945 zurückkehrte, machte er mit seinen neuen Sprachkenntnissen Karriere als Eindeutscher vieler Meisterwerke des britischen Kinos. Auch so ging Völkerverständigung nach dem Zweiten Weltkrieg.
Zu der sollte auch Michail Kalatosows »Soy Cuba« (1964) beitragen, der in den Lichtspielen Kalk läuft. Begonnen zur Feier der kubanischen Revolution, hatten sich zum Zeitpunkt der Vollendung dieses Monuments formalistischer Poesie die Verhältnisse zwischen Moskau und Havanna derart verschlechtert, dass beide Seiten das Werk stillschweigend im Regal verschwinden ließen. Wieder ausgegraben wurde »Soy Cuba« in den frühen 90er Jahren und gepriesen von Werner Herzog, Francis Ford Coppola und Martin Scorsese. Heute starrt man fassungslos auf das, was Kalatosow und sein Kameragott Sergei Urussewski da getrieben haben. Der ebenfalls in Kalk gezeigte
»A Nightmare on Elm Street 4: The Dream Master« (1988) ist im Vergleich damit quasi nichts, doch ohne solche legeren Zerstreuungen wäre Film bloß Kunst, und nicht etwas, womit man sein Leben verbringen kann.







