Matmos

Von allen experimentellen Musikern sind die New Yorker Matmos die Avantgardisten mit dem verschlagenen Blick. So sehr ihre Alben vor Konzepten strotzen, so humorvoll ist ihre Ausführung. Ein Album über Schönheitsoperationen prägten sie mit Samples von verbranntem Hautgewebe, wenn sie sich der Erforschung altertümlicher Analogsynthesizer widmen, wird das Resultat so psychedelisch klangfarbenfroh wie die 70er Jahre nie gewiesen sind. Und um die Bedeutung des Bayernkönigs Ludwig II. für die »Worse than Queer«-Ahnenreihe angemessen zu würdigen, spielten sie einen Track mit Alphorn ein.

 

Ihr aktuelles Album »The Marriage of True Minds« ist ein weiterer Versuch, Arkanes für ihre eigene, gewollt steif wirkende Spielart von Electronica wiederzubeleben. Dabei handelt es sich um das Ganzfeld-Experiment, einen frühen parapsychologischen Versuch, per Telepathie Ideen und Gedanken zu induzieren. Matmos‘ Versuchspersonen liegen auf einem Arztstuhl, die Augen sind mit einem Tischtennis-Ball blickdicht verschlossen und über einen Kopfhörer wird ihnen weißes oder pinkes Rauschen zugespielt. Ein Zustand künstlich herbeigeführter Unmittelbarkeit mit der abstraktesten Form von Klang, die möglich ist — fast schon Satire auf die Scharen von Kognitionsforschern, die Kunsterfahrung aus den Hirnströmen ihrer Versuchsobjekte erklären wollen. In Matmos‘ Experiment beginnen die Probanden zu brabbeln, zu summen oder hören Stimmen und Trompeten. Matmos generieren daraus eine Partitur, die sie mit Synthesizern, Samples und einem gelegentlichen Gitarrenriff ausfüllen.

 

Matmos haben Punk und Performance gleichermaßen verinnerlicht. Nicht nur weil der übertrieben steif wirkende MC Schmidt und der quirlige, vom Gogo-Tänzer zum Englischprofessor gewandelte Drew Daniel beweisen, dass sich Gegensätze doch anziehen. Sondern auch, weil sie sich nicht mit dem synchronisierten Semiplayback von Audio-spuren auf der glorifizierten Schreib-maschine namens Laptop zufrieden geben. Stattdessen generieren sie ihre Sounds auf der Bühne mit einem elektrifizierten Rattenkäfig, gefrorenem Trockeneis oder einem Klaps auf den nackten Hintern. Avantgarde zum Hingucken.

 

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